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Fernwärme Wien GmbH


1090 Wien

Spittelauer Lände 45

Das älteste Fernheizwerk Wiens stand am Gelände des Mitte des 19. Jahrhunderts im Stil des romantischen Historismus erbauten Arsenals (eines der ursprünglich insgesamt 72 Gebäude beherbergte die militärgeschichtliche Sammlung der Habsburger). Eine zentrale Kesselanlage versorgte die in den Jahren 1940 bis 1945 auf diesem Gelände untergebrachten Rüstungsbetriebe mit Wärme. Sie wurde gegen Kriegsende durch Bomben zerstört und in unmittelbarer Nähe wieder aufgebaut. Statt Kohle diente Öl zur Befeuerung.

Moderne Städteplanung war in der Folge ohne ein Heizsystem, das sowohl die Versorgung sicherte, als auch die Umwelt schonte, nicht mehr denkbar. Der soziale Wohnbau boomte: Bis zum Ende der sechziger Jahre entstanden über 61.000 neue Wohnungen. Nicht nur diese galt es, mit Wärme zu beliefern. Auch Bäder und Sportanlagen sollten berücksichtigt werden.

Grund genug für die Wiener Stadtväter, am 25. Oktober 1968 den Aufbau eines Fernwärmenetzes zu beschließen. Als idealer Standort bot sich die Spittelauer Lände an. Der Gemeinderat wollte insbesondere die Versorgung des neuen Allgemeinen Krankenhauses damit sichern. Denn bereits 1964 begannen die dortigen Bauarbeiten. Was damals keiner ahnte: Erst 30 Jahre später, am 6. Juni 1994, fanden diese durch die feierliche Eröffnung zu einem ersehnten Ende.

Die Müllverbrennungsanlage Spittelau wurde von Friedensreich Hundertwasser "behübscht", was zu zahlreichen Diskussionen um dieses Bauwerk führte.Verwendet wurden die bei Industriebauten üblichen Materialien wie Beton, Stahl, Glas, Keramik und Email. Allerdings belebte Hundertwasser die gerade Skyline mit geschwungenen Sattelbögen und entschärfte die Kanten mit sich nach oben verjüngenden, blauen Ecklisenen. Diese bekrönte er mit goldenen Kugeln. Das unregelmäßige Schachbrettmuster der Fassade und exzentrisch verteilte Fenster - verschieden groß und in ihrer Farbigkeit divergierend - nahmen dem Fernwärmewerk die aggressive Bedrohlichkeit.

Organisch geformte Protuberanzen aus Keramik und Email symbolisieren den Müll. Aufstrebende blaue Flammen stehen für saubere Luft und reines Wasser. Die Abdeckung des Entlüftungsschachtes als bunte Kappe gestaltete der planende Architekt Müller vom Büro Marchard Möbius als Geschenk an Meister Hundertwasser. Er selbst war in seinen letzten Lebensjahren kaum ohne eine solche Kopfbedeckung zu sehen. Die riesige goldene Kugel in 100 Meter Höhe ließ er mit 1.150 gold-emaillierten Platten versehen. Zusammen mit den beiden goldenen Ringen, die bis in 130 Meter Höhe reichen, sowie dem himmelblau verkleideten Schlot symbolisiert sie eine bessere, schönere Welt.

Die Bäume auf dem Vordach über den Müllbunkertoren sind mittlerweile übrigens um acht Jahresringe reicher und die Turmfalken, deren Nistplätze in den Jahren der Neugestaltung (1988 bis 1992) ausgebaut wurden, schätzen das Gebäude als ihre Wohnstätte.


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