Kunstausstellung · Fotografie Ausstellung

Zelko Wiener - Zwischen 0 und 1/ Kunst im digitalen Umbruch


Mit Zelko Wiener (1953 - 2006) wird im MUSA eine zentrale Persönlichkeit österreichischer Medienkunst präsentiert. Die Vielseitigkeit seiner konsequenten, experimentellen und poetischen, sowohl immateriellen wie physischen künstlerischen Produktion ist dabei ebenso beeindruckend wie seine Auseinandersetzungen mit dem Männerbild, den Strukturen und Möglichkeiten neuer Technologien und der Interpretier- und Darstellbarkeit gegenwärtiger Kommunikationskultur.

Die Ausstellung gibt erstmals einen fundierten überblick über sein mehr als dreißigjähriges Schaffen, das durch die postume Aufarbeitung im Zelko Wiener Kunstarchiv in Zusammenarbeit mit dem MUSA nun umfassend kontextualisiert wird.

Zelko Wieners künstlerischer Werdegang begann mit einer Ausbildung für Grafik und Fotografie an der „Graphischen“ in Wien; ab 1974 studierte er ebenda an der Hochschule (heute: Universität) für angewandte Kunst. Seine künstlerische Auseinandersetzung fand in verschiedenen Medien statt, einige Entwicklungen entstanden nach und nach, andere verliefen parallel. Während seiner Ausbildung beschäftigte er sich nicht nur mit Malerei und Grafik, sondern auch mit Metallskulptur und Fotografie. In der Abschlussphase seines Studiums ließ er sich erstmals auf eine Arbeit mit synthetischen Lacken ein, nicht ahnend, dass dies der Beginn einer mehrjährigen Beschäftigung mit einer japanischen Lacktechnik namens „Urushi“ werden sollte. 1978-1982 war er aktiv in Bürgerinitiativen tätig und organisierte öffentliche Kunstaktionen. Anfang der 1980er-Jahre entdeckte er die Dynamik und künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten binärer Medien und elektronischer Netzwerke.

Er agierte im öffentlichen Raum und war Gründungsmitglied der österreichischen Kunst- und Telekommunikationsgruppe BLIX. Damit zählt er zu den ersten Kunstschaffenden, die sich im Bereich Kunst und Telekommunikation engagierten. Er arbeitete mit dem textbasierten Bildschirmmedium BTX und nutzte es bereits als ästhetisches Ausdrucksmittel. Gleichzeitig beschäftigte er sich bis 1990 mit „Digitaler Photographie“, Videokunst und Kleinskulptur. Von 1986 bis 2006 lehrte Zelko Wiener Kunst mit neuen Medien an der „Lehrkanzel“ (später: „Ordinariat“) für Kommunikationstheorie, einem eigenständigen Bereich innerhalb der Universität für angewandte Kunst. Zelko Wieners besonderes Lehr- und Forschungsinteresse betraf Fragen zu Kunst und Telekommunikation sowie Phänomene medialer Informationskanäle und Aspekte von Wahrnehmung. Er arbeitete u.a. mit Roy Ascott, Hans Ulrich Reck und Manfred Faßler. 1990 zeigte er Environments mit Großbildprojektionen und Sound. 1992 realisierte er den ”Bodybuilder”, der noch 1996 für moralische Aufregung sorgte und entdeckte dafür mit den zeitgleich aufkommenden Großbilddruckverfahren eine weitere Ausdrucksform, die sein physisches Werk fortan prägte. Ab 1995 arbeitete er mit Ursula Hentschläger zusammen. Den Höhepunkt ihrer Kooperation bildet die Arbeit im Rahmen des Künstlerduos "ZEITGENOSSEN", bei der zwischen 1999 und 2006 die mediale Trilogie www.zeitgenossen.com aus drei eigens für das World Wide Web entwickelten Projekten entstand. Thematisch zeigt sie einen Spiegel unserer medialen Gegenwart (BINARY ART SITE), eine Idee von Zukunft (OUTER SPACE IP) und ein Bild von Vergangenheit (PHANTASMA).

Zelko Wiener arbeitete primär im Bereich der neuen Medien, ist aber mit seinem kontinuierlichen Versuch, der Unverbindlichkeit des virtuellen Raumes durch physisch aufgeladene Positionen entgegenzutreten, ebenso in der klassischen Bildenden Kunst zuzuordnen. Im Vordergrund seines Werks stehen Menschen, die durchwegs um ihre Orientierung ringen. In den einzelnen Werkphasen wurden dabei unterschiedliche Themen aufgenommen. Seine letzte Auseinandersetzung galt der Vergänglichkeit mit ihren Implikationen von Werden und Vergehen, dem Umgang mit kulturellem Erbe und daraus entstehenden individuellen wie gesellschaftlichen Identitäts- und Sinnstiftungsmomenten.


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