Theater

Yellow Line



Der Libyer Asch-Schamich ist verzweifelt. Von der Frontex aus dem Mittelmeer gefischt, glauben ihm weder der Grenzbeamte noch die Menschenrechtsaktivistin, dass er gar nicht aus seiner Heimat fliehen und in Europa sein Glück suchen wollte. Andererseits klingt seine Geschichte, eine Kuh sei vom Himmel gefallen und habe sein Fischerboot versenkt, auch reichlich unwahrscheinlich.

Derweil versteigert sich einige hundert Kilometer weiter nördlich die Aktionskünstlerin Helene zugunsten der Rebellen in Nordafrika selbst – zum Ärger ihres Freundes Paul. Der Webdesigner rastet wenige Tage später beim Start in den gemeinsamen Pauschalurlaub aus, als er eine gelbe Linie im Sicherheitsbereich des Flughafens übertritt und verhaftet wird. Parallel dazu stellt ein redegewandter Vertreter der Agrarindustrie ein neues, „humanes“ Herden-Management-System vor, das den Tagesablauf von Milchkühen Intelligent und vollautomatisch regelt. Schließlich geistern immer wieder Medienberichte von der Problem-Kuh Yvonne durch die Szene, die vor dem Gang zum Schlachthaus ausgerissen ist.

Ob in der Wellness-Kur, beim All-inclusive-Urlaub oder im Frontex-Auffanglager, überall wird der Mensch an die Hand genommen, hinter Zäune und in ein festes Regelwerk gezwängt. Bedeutet die menschliche Sehnsucht nach Freiheit letztendlich doch nichts anderes als den Wunsch nach einem geregelten Leben, in dem man Verantwortung und eigene Entscheidungen delegieren kann? Juli Zeh und Charlotte Roos haben mit „Yellow Line“ eine so temporeiche wie böse Komödie über Freiheitssuche, Bedürfnisgemeinschaften und das Glück der Selbsteinsperrung geschaffen, in der die Grenzen zwischen Pauschalurlaub, Massenzuwanderung und Massentierhaltung verschwimmen und Grenzübertritte im Allgemeinen zum Problem werden. Dabei stehen Zehs und Roos’ Figuren immer wieder vor der Frage, ob es sinnvoll ist, vorgegebene Linien zu überschreiten und wann dabei die öffentliche Ordnung wirklich in Gefahr gerät.

Komödie von Juli Zeh und Charlotte Roos

BESETZUNG

REGIE
Jan Stephan Schmieding
BÜHNE
Frank Holldack, Anne-Sophie Raemy
KOSTÜME
Anne-Sophie Raemy
MUSIK
Niko Meinhold
DRAMATURGIE
Iris Laufenberg
HELENE
Anne Weinknecht
PAUL
Simon Käser
CLARA
Vera Bommer
ASCH-SCHAMICH
Nico Link

  • Heute

    20:00

    • Haus 2
  • Di., 27.12.2016

    20:00

    • Haus 2
  • Sa., 31.12.2016

    20:00

    • Haus 2