Klassik

Württembergische Philharmonie Reutlingen


Dirigent: Fawzi Haimor, Pascal Rogé, Klavier (Ravel, Prokofjew).

Nikolai Rimski-Korsakow (1844-1908) Suite aus „Der goldene Hahn“ Maurice Ravel (1875-1937)
Konzert „für die linke Hand“ in D-Dur Sergej Prokofjew (1891-1953) Sinfonie Nr. 7 in cis-Moll op. 131

Maurice Ravel komponiert im Jahr 1927 in seiner 2. Violinsonate als langsamen Satz einen Blues – ohne jemals in den USA gewesen zu sein, jedoch angesteckt von der Jazz- begeisterung im Europa der 20er-Jahre. Als Ravel 1928 im Rahmen einer Tournee in die USA reist, sagt er dort über diesen Blues: „Ich habe zwar diese populäre Form Ihrer Musik übernommen, aber ich wage zu behaupten, dass die Musik, die ich geschrieben habe, trotzdem französisch ist, Ravels Musik. Diese volkstümlichen Formen sind in Wirk- lichkeit nur Baumaterialien.”

Im Zuge dieser Tournee trifft Maurice Ravel den amerika- nischen Komponisten George Gershwin, der ihm alle sei- ne Werke am Klavier vorspielt. Diese Begegnung erwei- tert hörbar Ravels eigenen musikalischen Wortschatz. Er beschreibt die bewusste Integration dieses Vokabulars, das er wie Bausteine verwendet, in die Tonsprache sei- nes Klavierkonzertes „für die linke Hand“: „Das Konzert […] ist anders geartet und in einem einzigen Satz mit viel Jazz-Effekten.“ An anderer Stelle findet sich die Aussage:
„Erst allmählich wird klar, dass diese Episode im Jazz-Stil in Wirklichkeit auf den Themen des ersten Teils aufgebaut ist“. Es sei dies „eine Episode im Charakter einer Improvisa- tion“, die dann „einer Jazzmusik Raum gibt“. Hörbar wer- den diese Einflüsse in Glissandi, bei den charakteristischen „blue-notes“, in der perkussiven Verwendung des Klaviers und der dem Jazz abgelauschten Verwendung der Blech- blasinstrumente.

Während bei Ravels Klavierkonzert die Integration des Jazz in eine französische Musiksprache ein zentrales Thema darstellt, ist bei den anderen beiden Werken dieses Konzertes der russische Tonfall in der Musiksprache nicht zu überhören. Prokofjew spricht die Bedeutung des Rus- sischen für ihn an, wenn er anlässlich der Rückkehr in Solist Pascal Rogé, Klavier seine Heimat 1936 schreibt: „Fremde Luft bekommt mei- ner Inspiration nicht, denn ich bin Russe, und wir sind wohl am wenigsten geeignet für ein Leben im Exil, für ein Leben in einem psychologischen Klima, das nicht das meiner Rasse ist. Ich muss zurückgehen. Ich muss mit Menschen sprechen, die mein eigen Fleisch und Blut sind, und die mir etwas zurückgeben können, was ich hier vermisse: Ihre Lieder, meine Lieder.“

Das Lehrer-Schüler-Verhältnis zwischen Nikolai Rimski- Korsakow und Sergej Prokofjew ist eine weitere Verknüp- fung zwischen diesen beiden Komponisten. In der Litera- tur findet sich sogar der Hinweis, dass Sergej Prokofjew in seiner 7. Sinfonie seinem Lehrer Nikolai Rimski-Korsakow durch ein Zitat aus dessen Oper Der goldene Hahn seine Reverenz erweisen wollte, womit sich der Kreis dieses Konzertprogramms wunderbar schließt, denn eine Suite aus eben diesem Werk eröffnet den Abend.


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