Theater

Woyzeck


Sein Sold reicht dem einfachen Soldaten Woyzeck nicht aus, um seine Geliebte Marie und das gemeinsame Kind zu versorgen. Und so tut Woyzeck seinen Dienst, isst Erbsen für ein medizinisches Experiment über Bewusst­seins­veränderungen, rasiert den Hauptmann. Er hetzt, dient, duldet, wird schikaniert, beschämt, unterworfen, und hält sich an die Verse „Leiden sei all mein Gewinst, Leiden sei mein Gottesdienst“. Marie ist ihm dabei ebenso sehr seelischer Anker wie verbliebener Machtbereich. Rasende Eifersucht, Wahnsinn und physische Degeneration verschmelzen schließlich zu einem einzigen lauten Schmerz. Woyzeck ist die „offene Wunde“ (Heiner Müller) der Demütigung in unserem kollektiven Gedächtnis. Büchner zeigt einen empfindsamen Menschen, dem das Menschsein versagt wird, und der schließlich selbst tötet. An Marie wird Woyzeck, das Opfer, zum Täter.

Büchner konnte sein Werk nicht vollenden. Es existieren mehrere, teilweise konkurrierende Handschriften, und es ist nicht zu klären, ob die offene Struktur des Dramas Büchners Absicht entsprach oder daraus resultiert, dass der Autor während des Schreibprozesses starb.
Diese Offenheit der Form nimmt Oliver Frljić zum Anlass für eine freie Auseinandersetzung mit Büchners Dramen­fragment. Der bosnisch-kroatische Regisseur und Intendant des Nationaltheaters in Rijeka ist bekannt für seine konfrontativen, bildgewaltigen und schonungslosen Theater­arbeiten und zählt zu den wichtigsten Regisseuren des ex-jugoslawischen Raums. Am Schauspielhaus Graz inszenierte er 2013 Where do you go to, my lovely?

Einführung zu Woyzeck

Oliver Frljićs Inszenierung findet starke, schonungslose Bilder für Büchners Fragment. Schauspiel Aktiv! bietet und empfiehlt einen dreistündigen inszenierungsvorbereitenden Workshop. Für alle Schulklassen, die ohne Vorbereitung in die Aufführung gehen wollen, gibt es auf Anfrage 45 Minuten vor Stückbeginn eine Einführung im Foyer des Schauspielhauses.
Achtung Altersbeschränkung! Für alle Schulklassen ab 16 Jahren

Besetzung

Regie: Oliver Frljić
Bühne: Igor Pauška
Kostüme: Sandra Dekanić
Dramaturgie: Marija Karaklajić, Veronika Maurer
Ausstattungsassistenz: Luise Gypser

Mit: Philine Bührer, Katharina Klar, Sebastian Klein, Florian Köhler, Gerti Pall, Christoph Rothenbuchner, Franz Solar, Franz Xaver Zach


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