Theater

Woyzeck


Das Fragment, das auf einer wahren Begebenheit beruht, die sich 1824 in Leipzig zugetragen hat, spiegelt die Grundüberzeugung des Dichters: hellsichtiger Hass gegen die Besitzenden und Gebildeten, ohnmächtiges Mitleid für die Leidenden, Unterdrückten.

Das Stück Woyzeck basiert auf dem gleichnamigen Dramenfragment Georg Büchners aus den Jahren 1836/37 vom Stadtsoldaten Franz Woyzeck. Er ist völlig mittellos, lebt mit seiner Geliebten und einem Kind ohne den Segen der Kirche. Neben seinem armseligen Sold verdient er sich ein paar Groschen als Barbier beim Hauptmann und als Versuchsobjekt bei den bizarren Experimenten des Doktors.

Seine Existenz wird in völliger Verdinglichung gezeigt. Woyzeck ist für seine Umwelt, seine Vorgesetzten und Dienstherren nur ein Objekt, dessen man sich bedient. Ein einziger menschlicher Bereich, Marie und das Kind, ist ihm noch geblieben. Um ihretwillen nimmt er alle sonstige Entmenschlichung in Kauf. Aber er verliert auch diesen Besitz, weil er zu arm ist, ihn zu halten und Marie vor den Nachstellungen des Tambourmajors zu bewahren. Seine Unfreiheit und Selbstentfremdung, die unveränderlichen gesellschaftlichen Bedingungen, lassen Woyzeck zum Verbrecher werden.

Woyzeck ist eine jener leidenden Gestalten, die Büchners Mitleid immer wieder hervorgerufen haben, wie ein Brief an die Familie im Februar 1834 zeigt: „Ich verachte niemanden, am wenigsten wegen seines Verstandes oder seiner Bildung, weil es in niemands Gewalt liegt, kein Dummkopf oder kein Verbrecher zu werden – weil wir durch gleiche Umstände wohl alle gleich würden, und weil die Umstände außer uns liegen.“

Das Fragment, das auf einer wahren Begebenheit beruht, die sich 1824 in Leipzig zugetragen hat, spiegelt die Grundüberzeugung des Dichters: hellsichtiger Hass gegen die Besitzenden und Gebildeten, ohnmächtiges Mitleid für die Leidenden, Unterdrückten.

Woyzeck (uraufgeführt im November 2000 in Kopenhagen und in den USA unter dem Titel Blood Money herausgekommen) war nach The Black Rider und Alice die dritte Zusammenarbeit von Robert Wilson und dem Songwriter Tom Waits. „Woyzeck handelt von Wahnsinn und von Obsessionen, von Kindern und von Mord – Dinge, die uns berühren. Das Stück ist wild und geil und spannend und fantasieanregend“, so Waits. Er schrieb gemeinsam mit seiner Frau Kathleen Brennan eine gleichermaßen kraftvolle wie mitfühlende Musik. Ihre düstere Stimmung, die aggressive Rhythmik und die romantischen Melodien geben seismografisch genau die Gemütsverfassungen und das menschliche Leid von Büchners Figuren wieder.

Regie: Michael Schottenberg
Musikalische Leitung: Imre Lichtenberger-Bozoki
Bühne: Hans Kudlich
Kostüme: Erika Navas
Dramaturgie: Hans Mrak

Woyzeck Haymon Maria Buttinger
Marie Hanna Binder
Hauptmann Thomas Kamper
Tambourmajor Christoph F. Krutzler
Doktor Ronald Kuste
Andres Tany Gabriel
Margreth Susa Meyer
Karl Matthias Mamedof
Ausrufer Thomas Bauer

Musiker:
Imre Lichtenberger-Bozoki, Florian Fennes, Vladimir Kostadinovic, Michael Kröss, Moritz Wallmüller
Beatboxerin Sara Siedlecka


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