Jazz

Wolfgang Muthspiel Trio


Wolfgang Muthspiel ist der interessanteste und beste derzeit spielende österreichische Gitarrist. Als Musiker von Weltrang, der lange Zeit auch in den USA lebte, schöpft er musikalisch aus dem Vollen und spielte gestern mit seinem Trio mühelos und zugänglich klingende, dabei aber komplexe und hochinteressante Musik.

Der Gitarrist Wolfgang Muthspiel (*1965) lebt in Wien und gilt als einer der einflussreichsten Gitarristen seiner Generation. Nach einer klassischen Ausbildung an der Geige, entdeckt er im Alter von 15 Jahren seine Liebe zur Gitarre. Das Interesse an eigener und improvisierter Musik führt in schließlich zum Jazz. Nach dem Studium bei Mick Goodrick am New England Conservatory und später am Berklee College of Music in Boston tourt er zwei Jahre lang mit dem Gary Burton Quintett und erspielt sich in der Jazzszene einen hervorragenden Ruf. Ab Mitte der 1990er Jahre lebt und arbeitet er in der Jazzhauptstadt New York. Zusammen mit Rebekka Bakken wagt er in dieser Zeit einfühlsame Ausflüge in die Welt der Popmusik, während er mit seinem Bruder das Elektronik-Projekt Muthspiel/Muthspiel verfolgt. Als begehrter Sideman fungiert er für Trilok Gurtu, Dhafer Youssef, Youssou N’Dour, Maria Joao, Dave Liebman, Peter Erskine, Paul Motian, Bob Berg, Gary Peacock, Don Alias, Larry Grenadier, John Patitucci, Dieter Ilg, das Vienna Art Orchestra und viele andere.

Im Jahr 2000 gründet er das Label «Material Records», welches bis heute zahlreiche Aufnahmen von Künstlerinnen und Künstlern mit internationalem Format veröffentlicht hat. Nach der Europatour mit seinem neuen Quartett (2008) und dem Duo-Projekt «Friendly Travelers» in Zusammenarbeit mit dem Drummer Brian Blade (2008), widmet sich Wolfgang Muthspiel vermehrt dem Trio «MGT» (Muthspiel – Grigoryan – Towner), welches, nach mehreren Konzertreisen, mit «From A Dream» ein vielbeachtetes Debüt-Album veröffentlicht. Darüber hinaus komponiert er für verschiedene Ensembles wie das Klangforum Wien und, im Haydn-Jahr 2009, auch ein Auftragswerk für die Stiftung Esterházy. Er produziert Einspielungen junger Musiker und leitet die Gitarrenklasse der Musikhochschule Basel FHNW. Unter seinen derzeitigen Projekten finden sich weiterhin das «Wolfgang Muthspiel Trio», das «Drumfree Trio», das hochgelobte «Wolfgang Muthspiel Quintet», sowie seine sich ständig weiterentwickelnde Solo-Performance.
Im Juni 2012 erscheint die Einspielung des Projektes «Vienna Naked», ein Songprogramm, welches Muthspiel für Gitarre und Stimme komponiert hat.
Mit «MGT» debütiert Muthspiel 2013 mit dem Album «Travel Guide» auf dem renommierten Münchner Label ECM. 2014 folgt dann sein Debüt als Bandleader bei ECM. Die Trio-Einspielung „Driftwood“ mit Brian Blade und Larry Grenadier löst ein umfangreiches Medien-Echo aus und im Jahr 2014 erhält Muthspiel einen eigenen Zyklus im Konzerthaus Wien. Mit dem Projekt Vienna World folgt 2015 eine weitere Gesangsaufnahme, in deren Verlauf er mit achtzehn Musikern in Rio de Janeiro, Buenos Aires, New York, Schweden und Wien konzertiert und aufnimmt.

Im Herbst 2016 erscheint «Rising Grace» auf ECM Records. Diese Quintettaufnahme mit Brad Mehldau, Ambrose Akinmusire, Brian Blade und Larry Grenadier ziert viele Besten-Listen des Jahres 2016, wird vom Downbeat Magazine mit fünf von fünf Sternen bewertet und beschert Wolfgang Muthspiel Quintet zahlreiche ausverkaufte Konzerte weltweit. Unter Muthspiel’s zahlreichen Auszeichnungen befindet sich unter anderem der Hans Koller Preis für den Musiker des Jahres und die Auszeichnung zum europäischen Jazzmusiker des Jahres 2003. Darüber hinaus wählte ihn das Musicians Magazine unter die «Top Ten Jazz guitarists of the World».
Das Konzert war leise, der selbst mitgebrachte Tontechniker sorgte für einen subtilen, differenzierten und hervorragend ausbalancierten Gesamtsound. Muthspiel hatte außerdem nicht nur seine fantastischen Mitmusiker mitgebracht, mit denen er erst kürzlich auf Japan-Tournee war, sondern auch ein Sammelsurium an Effektgeräten.

Damit hätte es Anlass gegeben skeptisch zu werden. Gitarristen, die sich mit (zu) vielen Effektgeräten umgeben sind nicht immer diejenigen, die ihre technischen und musikalischen Hausaufgaben gemacht haben. Effekte können auch ablenken, haben oft auch den Anschein im Dienste von Taschenspielertricks zu stehen.

Muthspiel zerstreute diese Bedenken bereits mit den ersten Tönen. Ganz generell waren es nämlich die Töne und die Akkorde, die im Mittelpunkt dieses Konzertes standen. Kein Ton war banal, kein Akkord abgedroschen und kein Motiv uninteressant.

Die Effekte standen dabei in der Funktion, dies alles bestmöglich zur Geltung zu bringen. Seine Effektgeräte waren nicht auf die große Show und auf die Vervielfältigung und Verfremdung des Klanges seiner Gitarre ausgerichtet. Es ging um Verfeinerung. Die Unterschiede im Klang waren zum Teil nur feinen, aufmerksamen Ohren zugänglich.

Der einzige “Trick”, wenn man so will, war, dass Muthspiel sein Gitarren-Spiel loopte und somit ungemein reizvolle, delikate Zwiegespräche mit sich selbst führen könnte. Er schichtete, kontrastierte, baute Strukturen und Flächen. Getragen wurde sein feingliedriges Spiel, das den größtmöglichen Genuss bei der größtmöglichen Komplexität gewährleistete, von seinen souverän musizierenden Mitmusikern.

Sie boten nicht nur Fundament, sondern trieben zu Umwegen an, forderten Wolfgang Muthspiel heraus. Dabei ist bemerkenswert, dass seine Risikobereitschaft auf der akustischen Gitarre nicht geringer wurde, sondern sich aufgrund der klanglichen Reduktion sogar tendenziell noch erhöhte.

Dabei entstand insgesamt eine nur auf den ersten Blick gemächliche Musik, die sich auch als Hintergrundmusik genießen lässt. Die musikalischen Entscheidungen, die Muthspiel immer wieder traf, waren grandios, herausfordern und doch nicht irritierend.

Sie klangen logisch, wie die einzig mögliche Konsequenz, die sich aus dem Vorhergehenden ableiten ließ. Dabei klang das Trio aber so leichtfüßig und spielerisch, dass diese Stringenz nie erzwungen wirkte. In dieser Hinsicht scheint die Namensentscheidung der aktuellen ECM-Einspielung kein Zufall zu sein. Das Trio, auf der Aufnahme noch mit dem Schlagzeuger Brian Blade, taufte diese „Driftwood“, also Treibholz.

Auch die Band ließ sich offenbar am gestrigen Abend treiben. Sie schaute wohin die Stücke sie führte und nahm sich große Freiräume für Improvisationen heraus.

Die Kunstfertigkeit und Einzigartigkeit dieses Trios lässt sich damit beschreiben, dass es für ZuhörerInnen den Eindruck der Gelöstheit und Entspanntheit vermittelte, das Trio dabei aber höchst präzise agierte und die absolute Kontrolle über ihre Stücke behielt. In diesem Spannungsverhältnis lässt sich die Musik auf „Driftwood“ verorten und damit lässt sich auch formulieren, warum der gestrige Abend so grandios war. (Markus Stegmayr)

Wolfgang Muthspiel: guitar
Larry Grenadier: bass
Jeff Ballard: drums


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