Theater

Wir begehren - Ein uncooler Abend mit uncoolen Emotionen



Eine Frauenbande, ein Weiberstamm, eine feministische Zelle. Wie Heldinnen der griechischen Tragödie führen sie Klage über den Zustand der Gesellschaft - vier Frauen, die schmerzlich erkennen: Ich will die Welt nicht, wie sie ist.

Es erhebt sich ein Klagegesang gegen die normative Gelassenheit und selbstverordnete Erwartung, dass eine vor lauter Tiefenentspannung nichts mehr berühren oder erschüttern darf. Dass man sich für Emotionen geniert und diese immer gleich weg meditieren muss. Diese Frauen artikulieren Empfindungen, die ihren Sitz in der Magengrube zu haben scheinen. Und im Uterus. Sie jammern, zetern, schreien, einfach weil es guttut, die Fassung zu verlieren und sich gehen zu lassen.
Und hinter diesen Klageliedern taucht Klarheit auf. Wie nach einem reinigenden Gewitter. Der Blick wird frei auf das eigene Begehren. Weibliches Begehren ist gefährlich, kein Mensch weiß, warum es als unheimlich und als Zumutung gesehen wird. Vielleicht, weil Begehren mehr ist als reines Wollen und weil es so viel will. Es ist außer Kontrolle und unberechenbar. Es ist groß und mächtig wie Wut, nur wollüstiger.

An diesem Abend lassen wir das Begehren aus dem Käfig.
Ob online oder live oder alles auf einmal, das werden wir erst sehen.