Theater

Winterreise – Ein Gewaltmarsch


Im Projekt „Winterreise – ein Gewaltmarsch“ verknüpft das Ensemble die Befindlichkeit Wilhelm Müllers, die Franz Schubert für seinen Zyklus „Winterreise“ 1827 vertont hat, mit dem Feldzug nach Rußland, den Hitlers Armee vor genau 70 Jahren unternahm.

Die Gedichte von Wilhelm Müller, die Franz Schubert für seinen Zyklus „Winterreise“ 1827 vertont hat - in Müllers Todesjahr und einem Jahr vor seinem eigenen Tod -, zeichnen ein einsames Bild eines Menschen, der sich nach Wärme sehnt. Er ist isoliert in seiner unverstandenen Sehnsucht nach einem blühenden Leben, das unter einer dicken Eisschicht verborgen liegt.

Im Projekt „Winterreise – ein Gewaltmarsch“ verknüpft das Ensemble die Befindlichkeit dieses einsamen Menschen mit dem Feldzug nach Rußland, den Hitlers Armee vor genau 70 Jahren unternahm.

Hunderttausende deutsche und österreichische Soldaten, die meisten kaum 20 Jahre alt, zogen durch unendliche verschneite Ebenen Rußlands in den immer sicherer werdenden Tod. Sie zogen mordend und brandschatzend durch Länder, in denen sie absolut nichts verloren hatten, außer eine größenwahnsinnige politische Idee eines Diktators zu verfolgen, die durch nichts zu untermauern war, außer mit dem Blut dieser Jugendlichen. Dabei waren jeder für sich isoliert, mit den Erinnerungen an eine Welt, aus der sie brutal gerissen worden waren und den Sehnsüchten von einem Leben, das sie hofften später einmal leben zu dürfen. Kurt Vonnegut nannte den 2. Weltkrieg „Kinderkreuzzug“, den er selbst als 19-jähriger nur durch Glück überlebte. Die meisten der Millionen junger Männer kamen ums Leben, die meisten verhungerten, erfroren oder starben an Fleckfieber, das von Läusen übertragen worden war. Doch auch die Kriegshandlungen verursachten einen gewaltigen Blutzoll. Allein in der Schlacht von Stalingrad im Februar 1943 starben über 700.000 Menschen.

Die grausame Dimension eines Gewaltmarsches werden durch die Gedichte von Miklós Radnóti erfahrbar gemacht. Dieser ungarische Dichter kam bei einem Gewaltmarsch in einem Gefangenenlager 1944 durch einen Genickschuss ums Leben, da er zu schwach war, weiterzumarschieren. Seine Leiche wurde aus einem Massengrab exhumiert. Bei dieser Gelegenheit fand man in der Innentasche seiner Jacke diese Gedichte.

Text: Wilhelm Müller, Miklós Radnóti
Musik: Franz Schubert, Franz Liszt
Regie: Markus Kupferblum
Kostüme: Ingrid Leibezeder
Masken: Atelier Chiarivari, Basel
Dramaturgische Beratung: Ulla Pilz

Ensemble der Schlüterwerke:
Ulla Pilz, Sopran
Ingala Fortagne, Sopran
Andrea Köhler, Schauspiel
Stephanie Schmiderer, Schauspiel
Béla Bufe, Schauspiel
Katharina Weinhuber, Tanz
Donka Angatscheva, Klavier

Eintrittspreise:
„Pay as you can" an der Abendkassa
Kartenreservierung:
[email protected]
[email protected]
online: www.schlüterwerke.at/tickets




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