Neue Klassik · Klassik

Wiener Symphoniker


Für die Interpretation des feinst dosierten Soloparts sorgt der Ausnahmemusiker Jörg Widmann, der sich die außergewöhnliche, extrem reduzierte, doch hochexpressive Klangsprache seines Komponistenkollegen Mark Andre in langer Zusammenarbeit besonders zu eigen gemacht hat.

Interpreten:
Jörg Widmann, Klarinette
Iveta Apkalna, Orgel
László Fassang, Hammondorgel
SWR Experimentalstudio, Live-elektronische Realisation
Michael Acker, Klangregie
Leo Hussain, Dirigent

Programm
Mark Andre
über für Klarinette und Orchester (2015) (EA)






Peter Eötvös
Multiversum für Konzertorgel, Hammond-Orgel und Orchester (2017) (EA)

Peter Ablinger
Wachstum, Massenmord (2011) (EA)

Aus dem Nichts nimmt das Abschlusskonzert von Wien Modern seinen Anfang: Beginnend mit einem leisen Hauch lassen Soloklarinette, Orchester und Live-Elektronik Atemzug um Atemzug eine Art Lebewesen entstehen. Zart und organisch nimmt eines der erstaunlichsten Klarinettenkonzerte der Musikgeschichte allmählich Formen an. Für die Interpretation des feinst dosierten Soloparts sorgt der Ausnahmemusiker Jörg Widmann, der sich die außergewöhnliche, extrem reduzierte, doch hochexpressive Klangsprache seines Komponistenkollegen Mark Andre in langer Zusammenarbeit besonders zu eigen gemacht hat.

Ganz anders das »Multiversum« von Peter Eötvös, das eine durchaus maximalistische Annäherung an das Genre Orgelkonzert darstellt. Die Aufstellung des Orchesters in isolierten Gruppen, die auch hinter dem Publikum erklingende Hammond-Orgel, die von Iveta Apkalna gespielte große Wiener Konzerthausorgel und die im Saal verteilten Lautsprecher bringen ein Echo des Weltalls ins Wiener Konzerthaus. In unmittelbarer Nachbarschaft zweier so weltumspannender, virtuoser Kompositionen schafft das kürzeste Werk des Abends das Kunststück, extrem unspektakulär und gleichzeitig extrem spektakulär zu sein. Das Bauprinzip des 2011 entstandenen Werks von Peter Ablinger ist so einfach wie frappierend: Die beiden Worte des Titels – »Wachstum, Massenmord« – wurden vom Komponisten gesprochen, aufgenommen, einer Frequenzanalyse unterzogen und für großes Orchester instrumentiert. Die Wiener Symphoniker werden also erstmals in ihrer Geschichte tatsächlich als Orchester gemeinsam »sprechen«.

Die Wiener Symphoniker wurden 1900 unter dem Namen Wiener Concertverein zunächst mit dem Ziel gegründet, einerseits für die breite Öffentlichkeit erschwingliche Orchesterkonzerte zu veranstalten und andererseits den Bedarf an Ur- und Erstaufführungen damaliger zeitgenössischer Werke abzudecken. Am 30. Oktober 1900 schließlich gab der neue Klangkörper unter Ferdinand Löwe sein offizielles Debüt im Großen Saal des Wiener Musikvereins.

Gleich in den ersten Jahrzehnten seiner Existenz brachte das Orchester eine Reihe an heute so selbstverständlich im Repertoire verankerten Werken wie Anton Bruckners Neunte Symphonie, Arnold Schönbergs Gurre-Lieder, Maurice Ravels Konzert für die linke Hand und Franz Schmidts Das Buch mit sieben Siegeln zur erstmaligen Aufführung.

Zu Beginn der 1930er Jahre erhielt das Orchester seinen noch heute gültigen Namen: als nunmehr Wiener Symphoniker feierte man unter dem damaligen Orchesterchef Oswald Kabasta bei großen England- und Italien-Tourneen erstmals auch international Erfolge. Seine bewegte Geschichte kann man nicht nur an den Namensänderungen des Ensembles ablesen. Konnte im Ersten Weltkrieg die Auflösung des Orchesters nur durch die Fusion mit dem 1913 gegründeten „Wiener Tonkünstlerorchester“ verhindert werden, so kam es 1944 tatsächlich zur Stilllegung für immerhin acht Monate.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Orchester unter denkbar schwierigen Bedingungen wieder ins Leben gerufen: am 16. September 1945 erklang Mahlers 3. Symphonie im Rahmen eines „Festkonzerts zur Neubildung des Orchesters“. Für die nach 1945 geleistete Aufbauarbeit zeichneten vor allem die damaligen Chefdirigenten Hans Swarovsky sowie Josef Krips maßgeblich verantwortlich.

Danach waren es die Chefdirigenten Herbert von Karajan (1950–1960) und Wolfgang Sawallisch (1960–1970), die das Klangbild des Orchesters entscheidend formten. In dieser Position folgten – nach kurzzeitiger Rückkehr von Josef Krips – Carlo Maria Giulini und Gennadij Roshdestvenskij. Georges Prêtre, formal von 1986 -1991 Chefdirigent des Orchesters, bevorzugte die Bezeichnung „Erster Gastdirigent“ für seine Tätigkeit. Danach übernahmen Rafael Frühbeck de Burgos und Vladimir Fedosejev das Orchester wieder in der offiziellen Position. Seit Beginn der Saison 2005-06 leitete Fabio Luisi als Chefdirigent die Wiener Symphoniker, sein Nachfolger ab 2014-15 ist der Schweizer Dirigent Philippe Jordan.

Als Gastdirigenten feierten zudem Stars wie Leonard Bernstein, Lorin Maazel, Zubin Mehta, Claudio Abbado, Carlos Kleiber oder Sergiu Celibidache viel beachtete Erfolge.

Die künstlerische Arbeit der Wiener Symphoniker ist durch eine große Zahl von hochwertigen CD-Produktionen dokumentiert.


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