Klassik

Wiener Symphoniker


Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Die österreichische Erstaufführung von Johannes Maria Stauds etwa viertelstündigem Orchesterwerk «Stromab» durch die Wiener Symphoniker unter der Leitung von François-Xavier Roth bietet einen Vorgeschmack auf die Uraufführung der Oper «Die Weiden» an der Wiener Staatsoper im Dezember 2018. Die auch in der zeitgenössischen Musik versierten Wiener Symphoniker sind mit Stauds virtuosen Klangphantasien bestens vertraut, haben sie doch erst vor zwei Jahren das Diptychon «Zimt» erstmals in Österreich vorgestellt. «Stromab» und die abermals auf ein Libretto von Durs Grünbein entstehende Oper beziehen sich auf Algernon Blackwoods 1907 veröffentlichte Erzählung «The Willows», die eine Reise von Donaueschingen bis Budapest durch mitunter unheimlich anmutende Donaulandschaften schildert.
«Das Geschehen schwankt zwischen einer Reisegeschichte zweier sich entzweiender Liebender und einem surreal verzerrten Beobachten der bedrohlichen Entwicklungen heute», erläutert Staud. Den Fluss in der neuen Komposition «Stromab» zum Klingen zu bringen, ist vielversprechend und treffend, denn, so Durs Grünbein, «der Strom ist der stille Protagonist, er verbindet die Erzählmotive, in ihm finden Landschaft, Musik und Geschichte zusammen». Johannes Maria Staud betont, er wolle mit «Stromab» «die unglaublichen Schwingungen, die von Blackwoods musikalisch visionärer Prosa ausgehen, erkunden».
Umrahmt wird diese Komposition durch Stücke der beiden Freunde Johannes Brahms und Robert Schumann. François-Xavier Roth – seines Zeichens Leiter des Gürzenich-Orchesters Köln und Erster Gastdirigent des London Symphony Orchestras – sei in der Lage, «einen Farbfächer zu entfalten, der neben feinsten Abstufungen auch gleißend feurige wie grotesk fröstelnde Extreme kennt», urteilte 2015 die Jury des Preises der Deutschen Schallplattenkritik. Mit den Wiener Symphonikern steht ihm dafür beim Violinkonzert von Brahms und bei Schumanns hochemotionaler zweiter Sinfonie, die ihren Schöpfer nach eigenem Bekunden «an eine dunkle Zeit» erinnerte, ein kongenialer Partner zur Seite. Der in Wien lebende litauische Geiger Julian Rachlin interpretiert dabei auf seiner 1704 von Antonius Stradivari gebauten Violine «ex Liebig» jenes Solokonzert, von dem einst Hans von Bülow behauptete, es sei weniger «für», sondern vielmehr «gegen die Violine» geschrieben. «Brahms polarisierte», weiß Rachlin, «aber für mich ist er einer der bemerkenswertesten Komponisten überhaupt».

PROGRAMM
Johannes Brahms
Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 77 (1877-1878)






Johannes Maria Staud
Stromab (EA)
Kompositionsauftrag von The Royal Danish Theatre, The Cleveland Orchestra (Franz Welser-Möst, Music Director), Carnegie Hall und der Wiener Konzerthausgesellschaft, gefördert durch die Ernst von Siemens Musikstiftung
Robert Schumann
Symphonie Nr. 2 C-Dur op. 61 (1845-1846)


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