Jazz

Wiener Beschwerdechor


Singraunzen im öffentlichen Raum: musikalische Bürger/innen-Interventionen.

Der vom Wiener Medien- und Konzeptkünstler Oliver Hangl Anfang 2010 als langfristiges Kunstprojekt gegründete WIENER BESCHWERDECHOR tritt unter der musikalischen Leitung des Chorspezialisten Stefan Foidl interventionistisch und meist unangekündigt auf und agiert bei jedem Auftritt kontext- und ortsbezogen. Ein Chor als Sprachrohr der Stadtbevölkerung, als Ventil der typisch wienerischen Unzufriedenheit und des subtilen Grants. „Ist da jetzt leichter, hast Luft kriagt, glaubt tuad se was ändan?“

Ein Chor als zeitgenössisches, vielstimmiges, performatives Medium, der mit musikalisch vielfältigen Sich-Ein und -Auslassungen an der kontinuierlichen Entwicklung von neuen Aktionsformen und -feldern arbeitet. Stilistisch und formal sehr breit angelegt, reicht die musikalische Bandbreite vom historischen Wiener Walzer und Wiener Lied und Pop bis hin zur zeitgenössischen E-Musik. Auch selbst geschriebene Beschwerdestücke (z.B. Museumsquartier-Arie, Sicherheits-Fuge) setzen sich inhaltlich konsequent mit den (Ir-)Realitäten der Stadt Wien auseinander. Jede Aktion ist einzigartig, da Musik, Text und Performance stets weiterentwickelt werden. Die bisher kürzeste dauerte 5 Minuten (Wiener Szene-Club "Fluc", 2011), die längste über 2 Stunden (Großaktion "Erlaubent, Wien Museum, sehr heiss bitte!", 2014).

Über einen Blog werden die Bürger/innen der Stadt aufgefordert, ihre Beschwerden einzureichen und zu diskutieren. Damit entsteht ein digitales Netzwerk, das als lokales Diskursforum die im Alltag gesammelten Erfahrungen als praktische Expertisen öffentlich macht und damit die theoretische Auseinandersetzung mit dem eigenen Umfeld lustvoll und spielerisch ergänzt. Die gesammelten Beschwerden dienen als Grundlage der Liedtexte, die von Oliver Hangl gemeinsam mit den Chormitgliedern redigiert und von zeitgenössischen Musiker/innen als Auftragskompositionen zu Chorstücken verarbeitet werden.

Als Komponist/innen traten bisher David Hebenstreit auch bekannt als Sir Tralala, Laokoongruppe (Karl Schwamberger), Willi Landl, 5/8erl in Ehr'n, Manuela Kerer, Dieter Kaufmann und Stefan Foidl für uns in Aktion. Die jüngsten Auftragswerke stammen von Der Nino aus Wien und Voodoo Jürgens. Fuzzman schrieb 2017 Songs für uns, die auf Vinyl verewigt wurden. Eigene Liedtexte stammen von Oliver Hangl mit kritischem Input des WIENER BESCHWERDECHORs, Manfred Rebhandl steuerte auf Einladung auch ein Libretto bei.

Eingebettet in das internationale Beschwerdechorprojekt The Complaints Choir, das weltweit über 45 Chöre umfasst, ist der WIENER BESCHWERDECHOR der längste noch bestehende Chor. Wöchentlich treffen sich konstant über 70 engagierte sanges- und klagelustige Stadtbewohner/innen aus den verschiedensten Sozial- und Altersschichten zu einer öffentlichen Probe, in der gemeinsam das innovative Wechselspiel zwischen Konzert, Performance und Aktion vorangetrieben wird.
In Österreich versuchte sich nach der Ars Electronica 2010 mit den Bregenzer Festspielen 2011 ein weiteres finanziell üppig dotiertes Großfestival an einer lokalen Projektversion, die nach wenigen Aufführungen auch gleich wieder aufgelöst wurden. Wir harren der kuratorischen Genialitäten: kommen jetzt die Salzburger Festpiele? Wir sind jedenfalls für eine Beschwerdechor-Battle offen, stehen aber auch gerne mit unserer partizipatorischen, gruppendynamischen Erfahrung und Expertise zur Verfügung!


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