Theater

Wie es euch gefällt


Zum 450. Geburtstag Shakespeare´s seine wohl schwereloseste Komödie über Liebe, Macht und Utopie.

Dreifache Umstürze und Ungerechtigkeiten stehen am Beginn. Herzog Frederick entmachtet seinen Bruder, den alten Herzog und übernimmt dessen Reich; der Adelige Oliver betrügt seinen jüngeren Bruder Orlando um das väterliche Erbe und trachtet ihm raffiniert nach dem Leben, der neue Herzog verbannt Rosalind, die Tochter des alten Herzogs, frisch verliebt in jenen Orlando, des Hofes, wobei seine eigene Tochter Celia und der Narr Probstein sich ihr anschliessen.

Alle fliehen in den Ardenner Wald, wo sie aufeinander treffen, um jenseits der korrupten Zivilisation ein neues Utopia zu gründen, ein goldenes, philosophisch angehauchtes neues Zeitalter ohne Macht und Verantwortung. Probstein, der Narr, bleibt skeptisch...

Die als Junge verkleidete Rosalind unterzieht Orlando, der die Geliebte nicht erkennt, und sich selbst witzig-härtester Liebestests durch Rollenspiele. Auch die anderen Bewohner des Waldes werden vom Durcheinander der Zuneigungen und der wechselvollen Geschlechteridentitäten angesteckt... Und auch wenn in diesen "Summer of Love" irgendwann die Bösen von Draußen eindringen- Shakespeare findet bestimmt einen Trick für ein "Ende Gut- Alles Gut".

KRITIK

Auch Shakespeare kommt in die Jahre – 450 werden es heuer. Ein solches Jubiläum schlägt sich natürlich im Spielplan der Wiener Scala deutlich nieder: erst vor wenigen Monaten war auf dieser Bühne zum Saisonbeginn das relativ unbekannte „Cymbeline“ zu sehen und nun folgt das wesentlich bekanntere „Wie es auch gefällt“, selbstverständlich vom Hausherrn Bruno Max persönlich inszeniert. Es ist ja wirklich erstaunlich, dass sich nach dem langjährigen Wirken des ‚Theater zum Fürchten‘ für diese Gruppe noch immer bisher ungespielte Titel aus dem Shakespeare-Kanon finden und Max nicht etwa auf apokryphe - oder im Notfall selbstverfasste - Shakespeareiana wie „Warum so traurig?“ oder „Woher der Westwind weht“ zurückgreifen muss.
Dazu besteht kein Grund, solange sich noch ein Werk wie das aktuelle anbietet: gerade dieses Wald-Stück zählt nämlich zu den schönsten Komödien des großen Briten. Im Wald von Arden singt ein bunter Haufen von Verbannten gegen die Kälte an und kampiert frohgemut am offenen Feuer zwischen Nebelschwaden. Diese Gruppe gezwungener Aussteiger lebt dort außerhalb des Gesetzes und die bisherigen Machtverhältnisse treten vorübergehend außer Kraft.
Hermann J. Kogler schickt sich durch eine Doppelrolle als Herzog und dessen finsterer Bruder selbst in die Verbannung. Als pessimistischer Jaques grantelt Georg Kusztrich fatalistisch vor sich hin; und sobald ein Hofnarr benötigt wird, ist Bernie Feit in seinem Element - er verdoppelt sich noch dazu als Bauchredner mit einem puppenhaften Ebenbild. Eine Verdoppelung ganz anderer Art vollzieht Johanna Withalm: die Resolutere im Mädchenduo Rosalind + Celia überzeugt sowohl in ihren weiblichen als auch männlichen Komponenten. Sie steht vor uns als Gender(wo)man von der Frauenlocke bis zur Männerstiefelsohle und verwickelt den ahnungslosen Liebsten (Benjamin Ulbrich) in hinterlistige Rollenspiele, während Selina Ströbele als Celia mit flatterhaftem Leichtsinn für komische Momente sorgt. Die größte Metamorphose vollzieht aber Christoph Prücker: in einer Dreifachrolle verwandelt er sich vom 80jährigen klapprigen Diener zum virilen Bauernburschen. Zuletzt gibt es freilich nicht ganz so viel Paare wie Bäume in diesem Wald, doch zumindest ein vierfaches Happy-End ist vorgesehen, das durch eine geschickte Wendung der Inszenierung trotzdem einen leichten Dämpfer erfährt.
Shakespeare kommt also in die Jahre, gefällt uns aber dank Bruno Max immer noch – und wie.

franco schedl Regie und Bühne: Bruno Max
Kostüme: Alexandra Fitzinger
Musik: Fritz Rainer
Regieassistentin: Cornelia Slauf
Kostümassistenz: Caroline Obernigg

Mit: Georg Kusztrich, Bernie Feit, Robert Notsch, Johanna Withalm, Selina Ströbele, Hermann J. Kogler, Benjamin Ulbrich, Michael Schusser, Tobias Eiselt, Hans Steunzer, Christoph Prückner, Christoph Prückner, Anna Sagaischek, Claudia Waldherr.


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