Kunstausstellung

Werkpräsentation der Artists in Residence 04/2015


Gezeigt werden Arbeiten von Lada Nakonechna (Ukraine), Amor Muñoz (Mexiko), Vijai Patchineelam (Brasilien), Zsuzsi Flóhr (Ungarn), Siniša Radulović (Montenegro) sowie Aurélio Edler-Copes (Brasilien/Italien) und Valentín Pelisch (Argentinien).

Lada Nakonechna (Ukraine)
wurde 1981 in Dnipropetrovsk in der Ukraine geboren. Sie lebt und arbeitet in Kiew und Berlin. Die Künstlerin ist Mitglied der Künstlergruppe R.E.P. (Revolutionary Experimental Space) und Mitbegründerin der Kuratorenvereinigung Hudrada. Ihre Interessen umschreibt sie mit einem Satz: visuelle Ausdrucksmittel und deren Einfluss auf unsere Wahrnehmung. Nakonechna beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Wahrnehmung und Handeln. www.ladanakonechna.com

Lada Nakonechna wird unter dem Titel „Facade restoration” neue, auf Fotos basierende Objekte und Zeichnungen zeigen, die - als Work in Progress - den Entstehungsprozess eines Kunstwerkes erkennen lassen. Die Künstlerin betrachtete genau den auf den Fotos abgebildeten Bauschutt, zerstreute Fragmente von etwas Vernichteten oder Zerstörten. Aus der detailgenauen Betrachtung entwickelte sich ein künstlerischer Prozess. Jede Manipulation des Fotomaterials durch Nakonechna besteht im Reparieren, Wiederherstellen, Verbessern und Umformen – sie beruht auf einer künstlerischen Kreativität, die das Wesen der Zerstörung nicht tangiert. Die Zerstörung selbst ist real, aber die auf den Bildern aufbauende Kreativität ist ephemer und spielerisch. Das entstandene Werk ist nicht mehr an die physische und materielle Existenz der Objekte gebunden und bietet keine Anleitung zum Umgang mit diesen. Somit bleibt die künstlerische Absicht eine leere, oberflächliche und rein dekorative Geste.

Amor Muñoz (Mexiko)
Amor Muñoz wurde 1979 in Mexico City geboren. Ihre künstlerischen Themen sind Arbeit, Produktionssysteme, Technologie und Gesellschaft. Ihre Werke sind im sozialen Raum verankert und generieren dort kollektive Erfahrungen, die Kunst als reflektive Plattform benutzen. Die Künstlerin verbindet Performance und Experimentalelektronik mit traditionellen Medien, wie Zeichnungen und Textilarbeit. http://amormunoz.net/

"rhythmic manufacture” ist eine Performance, die durch den Einsatz von Zeichnungen und einer technologischen Bildsprache den Menschen maschinenähnlich erscheinen lässt. Körper und Geist sind konditioniert für eine mechanische Tätigkeit, ein repetitives Muster, das dem Rhythmus eines Metronoms folgt. Wie eine Fabriksarbeiterin zeichnete die Künstlerin fünf Tage lang in einer Performance elektronische Bauteile und transformiert damit einen realen, dreidimensionalen und funktionierenden Gegenstand in eine bloße Darstellung ohne Dimension und Funktion als Metapher für die rasche Veralterung von Objekten. Bei der Ausstellung zeigt die Künstlerin eine Videodokumentation ihrer Performance und kleine Aquarelle.

Vijai Patchineelam (Brasilien)
Vijai Patchineelam wurde 1983 in Niteroi in Brasilien geboren. Er hat vor kurzem sein Studium an der Akademie Sint Lucas in Antwerpen in Belgien mit dem Master of Research abgeschlossen. Er besitzt außerdem einen akademischen Abschluss der Konstfack in Stockholm, Schweden, als MFA in Experience Design; seinen BA in Industrial Design erwarb Patchineelam an der Bundesuniversität von Rio de Janeiro. Seine Arbeit umfasst Fotoinstallationen, Multimedia-Installationen und Fotobücher.

„Samba Shiva“ ist ein Buchprojekt mit dem Ziel, Fotografien von Sambasiva Rao Patchineelam, dem Vater des brasilianischen Künstlers, zu veröffentlichen. Dieser kam in einer ländlichen Region Indiens zur Welt und lebt heute als emeritierter Universitätsprofessor in Brasilien. Mehrmals kehrte Sambasiva nach Indien zurück. Bei diesen Besuchen fotografierte er intensiv seine Familie und seine Geburtsstadt Rajahmundri im Staat Andra Pradesh. Gleichzeitig und mit ebensolcher Intensität setzte er seine Kamera zur Dokumentation seiner wissenschaftlichen Arbeit und seiner Expeditionen ein.

Zsuzsi Flóhr (Ungarn)
Zsuzsi Flóhr, geboren 1981, lebt in Budapest und Wien und arbeitet im Bereich der visuellen Kunst. Seit 2013 ist sie Doktorandin im Rahmen des ‘PhD-in-Practice’-Programms der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Sowohl in ihrer künstlerischen Praxis als auch in der Forschung beschäftigt sich Flóhr mit Themen der “dritten Generation nach dem Holocaust”, ausgerichtet auf Familiengeschichten, Gedenken, generationsübergreifendes Trauma und die Möglichkeit einer gemeinsamen Erinnerungspolitik. http://zsuzsiflohr.com/

„The Satirical Drawing of Vienna“ ist der Titel der Grafikserie, die sich mit der Stadt Wien aus historischer, erzählerischer und narrativer Sicht auseinandersetzt. Im Zentrum des Interesses stehen die Stereotype und die satirischen Erzählungen im Zusammenhang mit der Stadt in den frühen Zwanzigerjahren und davor. Besondere Aufmerksamkeit widmet diese Arbeit einem Buch vom Hugo Bettauer mit dem Titel “Die Stadt ohne Juden: Ein Roman von übermorgen” (Wien, 1922), einem bekannten Beispiel der satirischen Darstellung von Wien. „The Satirical Drawing of Vienna“ beschreibt den historischen und sozialen Hintergrund aus Sicht der Künstlerin.

Siniša Radulović (Montenegro)
Siniša Radulović wurde 1983 in Podgorica, Montenegro geboren. 2008 schloss er sein Studium an der Fakultät für Bildende Künste Cetinje im Zweig Malerei mit einem MA ab. Radulović war 2011 Preisträger für Malerei beim 33. „Montenegrin Art Salon 13 novembar“. www.sinisa.me

Sein in der Ausstellung in Wien gezeigtes Video "77 questions" will in erster Linie die Rolle und die Ethik eines Künstlers in der heutigen Gesellschaft in Frage stellen. Die mit Hilfe eines Lügendetektors gestellten Fragen sind mit einem einfachen Ja oder Nein zu beantworten. Das Konzept beruht auf einer Kombination aus satirischen und grundsätzlichen Fragen zur Kunst, die den Betrachter oder die Betrachterin anregen sollen, die Position des Künstlers in einer vom Kapitalismus gesteuerten Welt neu zu überdenken.

Aurélio Edler-Copes (Brasilien/Italien)
Aurélio Edler-Copes wurde 1976 in Brasilien geboren. Seine Arbeiten sind für ihr radikales Ausloten der Grenzen der Wahrnehmung und ihre körperliche Intensität bekannt. Der Künstler besitzt einen Bachelor-Abschluss in Gitarre und in Komposition. Außerdem erwarb er seinen Master in Composition an der Hochschule der Künste in Bern bei Georges Aperghis und studierte Komposition und Computermusik am IRCAM-Centre Pompidou in Paris. Seine Werke werden regelmäßig von renommierten Ensembles in bedeutenden Konzertsälen aufgeführt. Edler-Copes wurde bei über zwanzig internationalen Kompositionswettbewerben ausgezeichnet. Der Künstler lebt zurzeit in Paris. www.edler-copes.com

Das Musikstück „Interference” hat seinen Ursprung in einem Entwurf, der im Verlauf des IRCAM-Studiengangs im Jahr 2010 entstand und während einer Residenz in Rom für Video und Elektronik als Teil der Installation „Malevich Room“ weiterentwickelt wurde. Die Musik geht von drei Klangobjekten aus: dem Geräusch des Zerreißens von Papier, einer mit einem Bogen hinter einer Brücke gespielten Viola und einer tiefen Männerstimme. Das Video dazu entstand aus visuellem Rauschen, einem gestörten Fernsehbild, das durch Veränderung der Granulation und der Helligkeit zu einem parallel zur Musik verlaufenden, rhythmischen Pfad wurde.

Valentín Pelisch (Argentinien)
Valentín Pelisch wurde 1983 in Argentinien geboren. Seine Arbeit untersucht die szenischen, visuellen und akustischen Belange der Kammermusik. Er arbeitet zurzeit an der Entwicklung szenisch-musikalischer Werke und anderer audiovisueller Formate. Seine Werke wurden von verschiedenen Ensembles und Interpreten aufgeführt. Pelisch wurde für seine Arbeiten mehrfach von renommierten Juroren ausgezeichnet. Der Künstler hat bei Marcelo Delgado und Gerardo Gandini Komposition sowie elektroakustische Komposition an der Nationalen Universität Quilmes (Argentinien) studiert. www.valentinpelisch.com.ar

"There are no ideas except in things." (David Markson, Reader's Block)

Pelisch zeigt eine musikalische Komposition – eine Sammlung verschiedener audiovisueller Fragmente, jedes in einer unterschiedlichen Phase der Ausarbeitung. Wie ein Tagebuch, eine Ideensammlung, ein Rohmateriallager, ein Behälter mit Einzelteilen, vielleicht ein Abfallkübel. Diese Fragmente (entstanden aus…, komponiert von…, gestaltet für…, hergestellt aus…) sind nach Meinung des Künstlers „das Ergebnis der Erwartung von etwas anderem“ und er meint dazu, „vielleicht wäre dies auch meine Art, die instabile und unbestimmte Phase zwischen einzelnen Werken zu überbrücken“.


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