Vortrag · Literatur · Theater

Wer hat Angst vor Viktor Orbán?


In Fortsetzung von Kakanien – Neue Heimaten beschäftigt sich die neue Gesprächsreihe Grenzgänger/Grenzdenker mit dem zunehmenden Gefühl der Krise und der Unsicherheit in Europa. Kuratiert wird die neue Reihe von dem international renommierten österreichischen Historiker, literarischen Übersetzer und Schriftsteller Martin Pollack.

Das freie Europa beobachtet die Entwicklung in Ungarn mit wachsender Sorge. Unter der Führung von Viktor Orbán scheint das Land aus unserer Sphäre abzudriften. Der Rechtspopulist verfolgt konsequent ein autoritäres Staats- und Gesellschaftsmodell, das Ängste weckt. Nicht zuletzt, weil er dabei ganz bewusst auf die Vergangenheit zurückgreift. Die liberalen Demokratien, so Orbán, hätten jämmerlich versagt, politisch, wirtschaftlich und kulturell, die Zukunft gehöre nicht-liberalen, gelenkten Demokratien: Beispiel China, Türkei oder Russland. In diese Richtung steuert er Ungarn.

Daher werden die demokratischen Rechte Schritt für Schritt eingeschränkt und kritische Stimmen unterdrückt. "Wer aufmuckt, wird gefeuert", schrieb der bekannte ungarische Autor György Konrád, als Orbán ein neues Mediengesetz durchsetzte, das "die Erstickung der Presse- und kulturellen Freiheit" bedeutete. Konrád warnte vor einer "neuartigen Diktatur".
Diese Entwicklung geht einher mit einem überhitzten Nationalismus und schriller anti-europäischer Rhetorik. Noch verstärkt finden sich diese Tendenzen bei der zweitgrößten Partei des Landes, die unverhüllt Antisemitismus und Antiziganismus propagiert und die Wiederherstellung Großungarns fordert.

Ein ungarischer Sonder- bzw. Irrweg? Oder ein bedrohliches Vorbild, das im übrigen Europa bereits Nachahmer findet?
In Ungarn scheint dieser Kurs auf wenig Widerstand zu stoßen. Die Opposition ist zersplittert und machtlos. Massive Proteste sind bisher ausgeblieben, sieht man von einigen Demonstrationen ab. Aber was ist mit den Intellektuellen, die unter den Kommunisten so viel Mut bewiesen? Wie reagieren Schriftsteller und Künstler?

Darüber wollen wir mit zwei prominenten ungarischen Schriftstellern sprechen, Zsófia Bán und György Dalos, die sich in ihren Werken auf unterschiedliche Weise, aber gleichermaßen hellsichtig und kritisch, mit der Entwicklung auseinandersetzen.

Vor dem Gespräch, moderiert von Martin Pollack, werden Andrea Clausen und Martin Schwab aus Texten der Autoren lesen.


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