Alte Musik · Klassik

Vox Luminis - Requiem


Treffen menschliche Stimmen und Gamben aufeinander, entsteht daraus ein Klang, der uns wie kaum ein anderer zu berühren vermag – so zart, zugleich vielschichtig und voller Kraft. Und fragt man Sänger oder Gambenspieler in einem Ensemble, wie sie zueinander stehen, bekommt man höchstwahrscheinlich zur Antwort, wie wunderbar und natürlich es sich immer wieder anfühlt, gemeinsam »Musik zu machen«.

Ein glücklicher Umstand, den wir zum Anlass nehmen, an diesem Abend die Stimmen von gleich zehn Sängerinnen und Sängern des herausragenden belgischen Vokalensembles Vox Luminis mit dem Klang der Gamben des L’Achéron- Consorts – und einer Truhenorgel – in der beeindruckenden Akustik der Tanzenberger Kirche zusammenzuführen, um zwei außergewöhnliche Meisterwerke und wahre Perlen der geistlichen Musik des 17. Jahrhunderts erklingen zu lassen, die durchaus größere Bekanntheit verdient hätten: die Prosa pro mortuis – eine Vertonung der aus der Totenmesse stammenden Sequenz Dies irae – des italienischen Komponisten Giovanni Legrenzi (1626–1690) und die Missa pro defunctis aus der Feder seines deutschen Kollegen Johann Kaspar Kerll (1627–1693).

Im Falle von Legrenzis Opus ist die Bestimmung des Entstehungsdatums oder ursprünglichen Verwendungszweckes kaum möglich, dennoch lassen gewisse Tatsachen darauf schließen, dass es für den Wiener Hof entstanden sein könnte.

Zum einen wissen wir, dass der Komponist eine seiner Gambensonaten Kaiser Leopold I. widmete und sich im Jahre 1665 vergeblich um eine Anstellung am Hof des Regenten bewarb, zum anderen fällt eine verblüffende stilistische Ähnlichkeit zwischen Legrenzis Prosa pro mortuis und der 1689 erschienen Missa pro defunctis von Johann Kaspar Kerll – zu jener Zeit als Organist am Wiener Hof tätig – auf: Beide Komponisten präsentieren jeden einzelnen Vers des Dies irae auf unterschiedliche Art und Weise und bedienen sich dabei kunstvoll vielfältiger Kombinationen aus Sängern und Gamben.

Auch Kerlls Requiem fehlt eine Widmung, jüngsten Erkenntnissen zufolge deutet aber so manches darauf hin, dass er es für sein eigenes Begräbnis komponiert hatte, was dieser Musik einen umso intimeren und bewegenderen Charakter verleiht.

Vox Luminis
Sara Jäggi, Zsuzsi Tóth – Sopran
Barnabás Hegyi, Jan Kullmann – Alt
Philippe Froeliger, Dávid Szigetvári,
Olivier Berten, Robert Buckland – Tenor
Lionel Meunier, Sebastian Myrus – Bass
L’Achéron
François Joubert-Caillet (Leitung)
Marie-Suzanne de Loye
Andreas Linos
Sarah van Oudenhove


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