Vortrag

Vier Gäste / Drei Bücher: Zu Piraterie, Bergzeichnungen und einem Film in Bleihülle


Gäste im Salon: Katharina Heinrich, Peter Hauenschild, Nicolas Maigret,
Maria Roszkowska

Am letzten Salonabend im alten Jahr stellen vier Gäste ihre neuen Künstlerbücher vor:

The Pirate Book
The Pirate Book ist ein visueller Essay von Nicolas Maigret und Maria Roszkowska, eine Anthologie in Buchform. Das Material dafür kopierten sie aus einer Installationsperformance von Nicolas Maigret, The Pirate Cinema, in der es um den Prozess der Sichtbarmachung von etwas Unsichtbarem geht, den verdeckten Austausch von Filmen in der Gegenwart. Wenige sind sich bewusst, mit welcher immensen Geschwindigkeit sich dieser Austausch vollzieht und dass er die Unterstüzung eines weltweit verknüpften ‚Peer-to-Peer’-Netzwerkes genießt.

Doch wie steht es derzeit um eine tiefere, historisch reichhaltigere Erforschung der Piraterie von kulturellen Gegenständen wie z.B. von VHS-Videokassetten oder DivX-Dateien? Indem sie neue Diskussionsformate für diese Fragestellungen entwickeln, tragen Nicolas Maigret und Maria Roszkowska zum Diskurs über Piraterie, Anti-Piraterie und Urheberrecht bei und laden nun ein, ihre Perspektive auf das Phänomen der ‚Piraterie’ zu reflektieren. The Pirate Book bietet einen Beitrag zur Abwendung vom einseitigen Vorgehen der Kulturwirtschaft, in dessen Diskurs die Figur des ‚Piraten’ als die Position eines ‚Staatsfeindes Nummer eins’ festgeschrieben zu sein scheint.

Montagne Sainte-Victoire
"Mittags auf dem Heimweg von den Zeichenplätzen, die Sainte-Victoire flach und weiß wie eine Leinwand, dahinter Vauvenargues."

"Manchmal läuft mir der Kohlestift davon. Berg und Stift sprechen miteinander. Ich kann nur verwundert zuhören."

Der Künstler Peter Hauenschild verbringt immer wieder längere Aufenthalte am Fuß der Montagne Sainte-Victoire in der französischen Provence. Dort entstanden auch die rund 500 Zeichnungen für sein neues Künstlerbuch. In der Betrachtung der Zeichnungen erwandert sich das Auge die Struktur und Textur des Berges in unterschiedlichstem Licht, die Motive reichen von Ausschnitten einzelner Felsformationen bis hin zu Panoramen der gesamten Bergkette. Die Zeichnungen stehen im Dialog mit Texten von Christian Dumon, Alexandra Pitz, Stella Rollig und Gerhard Willert. Das Künstlerbuch wie auch einige der originalen Zeichnungen werden im Salon für Kunstbuch bis Mitte Jänner 2015 ausgestellt sein.

RAUMHALTEN - Ein Experimentalfilm in Bleihülle
Das Filmmaterial wurde während der Entstehung einer Flechtskulptur von Katharina Heinrich aufgenommen, vierundzwanzig einminütige Sequenzen und Einstellungen, aufgezeichnet mit der Handkamera. Synchron dazu gibt der Ton die Geräusche des Arbeitsprozesses wieder, bei geöffnetem Fenster. Der Film erscheint in einer geflochtenen Bleihülle, geschützt von einem handgefertigten Karton.

Katharina Heinrich arbeitet als Bildhauerin. Sie gilt als Vertreterin eines ‚ambientalen Skulpturbegriffs’, „der Ort der Skulptur ist nicht mehr der Sockel und der Boden, sondern der Ort kann jeder Gegenstand sein. Die Skulptur kann über einer Stange hängen, auf einem Auto liegen, am Körper getragen werden, (...) oder letztlich wie ein Vorhang herunterfallen. Statt ornamental wird die Skulptur ambiental. Sie passt sich an die Umwelt an, ohne ihre Eigenständigkeit aufzugeben.“ (Chr. Steinle) Nach einem Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien nahm Katharina Heinrich an zahlreichen Ausstellungen teil, u.a. in Wien, Berlin, Mexiko, Rom, Paris, New York, St. Petersburg und Novi Sad. Sie unterrichtet als Lektorin im Bereich Kunst und kommunikative Praxis an der Universität für angewandte Kunst in Wien.

Peter Hauenschild ist ein bildender Künstler, der sich für die Welt der Zeichnung ebenso interessiert wie für die Welt der Computeranimation. Er studierte Visuelle Gestaltung bei Prof. Laurids Ortner und arbeitete in den Jahren von 1988 bis 2004 in der Linzer Stadtwerkstatt. Neben Arbeiten für Kunst im öffentlichen Raum ist er seit 2005 Lehrbeauftragter am Institut für Medien der Kunstuniversität Linz.

Nicolas Maigret ist ein französischer Künstler und Kurator. In seinen Arbeiten setzt er sich mit medialen Dysfunktionen, Grenzen und fehlerhaften Lücken auseinander, wofür er audiovisuell erfahrbare Installationen entwickelt. Parallel dazu ist er als Kurator tätig, lehrt an der Parsons Paris und ist Mitbegründer des Art of failure collective.

Maria Roszkowska arbeitet als Grafikerin. Ihr künstlerisches Interesse siedelt sie selbst zwischen Forschung und der Schaffung neuer Formen an, weshalb sie sich immer wieder mit Bereichen wie Semiotik, Szenografie, Editorial Design, der Frage nach einer ‘Copyright Identity’ und ganz generell der Typografie auseinandersetzt. Aktuelle Projekte beschäftigen sich mit einem Beschilderungsprojekt auf der Place du Château in Strasbourg und einer typografischen Wandgestaltung für die New School in New York.
Exklusiv in der Buchausgabe enthalten sind zudem Texte von Dominik Kamalzadeh („Gegenüberstellung als Selbstbefragung“) und Antke Engel („Den Raum zwischen Antagonismus und Ambivalenz ausloten“), die sich mit dem Projekt als neuem Medienformat sowie mit seinen künstlerisch-wissenschaftlichen Inhalten befassen.


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