Theater

Vielleicht lebe ich...


"Aus manchen Begebenheiten kann man nicht herausträumen, was man für schöner hält"...

Sarah führt mit ihrem Mann einen Bauernhof. Sie haben gemeinsam eine Tochter und wünschen sich noch ein Kind. Der Mann wird einberufen und schreibt ihnen Briefe aus dem Krieg. 1942 fällt er in Russland. Sarah erzählt auch von dem Nachbarsjungen, der mit seiner Mutter und seiner Schwester deportiert wird und fliehen kann. Sarah nimmt ihn auf. Sie versteckt ihn im Schuppen und stellt sich der Frage, was wohl ihr Mann dazu gesagt hätte. Sarah erzählt von ihrem Leben in dieser Zeit, von ihrer Angst, den Sorgen um ihren Mann. Ihre ureigene Geschichte, die so oder so ähnlich vielen Menschen passiert sein könnte.

Helene-Maria ist ein totgeborenes Kind aus einer Täterfamilie. Sie lebt in einer Zwischenwelt. Bekommt aber alles mit, was im realen Weltgeschehen passiert. Ihr Vater ist einer von Hitlers engsten Vertrauten und ihre Mutter wird zur „Übermutter“ und Vorbild der „Deutschen Frau“ stilisiert. Auch ihre Geschwister werden für die Propaganda verwendet. Sie gelten als Vorzeigekinder, die das perfekte Bild der „arischen Kinder“ verkörpern. Helene-Maria ist hin- und hergerissen zwischen ihrer Liebe vor allem zu ihrem Vater und der Tatsache, dass ihre Eltern Mörder sind.

Elias stammt aus einer jüdischen Familie. Er lebt mit seinen Eltern in einer Innsbrucker Stadtwohnung. Sein Vater hat einen Obst- und Gemüseladen und seine Mutter ist Lehrerin. Sie wird dann entlassen und vor Vaters Laden wird angebracht, dass man hier nicht mehr einkaufen gehen darf. Die Mitarbeiter muss er aber trotzdem weiter behalten und bezahlen, während das meiste Essen im Laden verschimmelt. Elias hat auch eine Schwester, Mirjam, die vier Jahre älter ist als er. Elias ist zunächst froh darüber, dass er den Judenstern tragen muss, weil ihn die älteren Jungen nicht mehr zusammenschlagen und ihm das Jausenbrot wegnehmen. Durch den letzten Besuch von Mutters Schwester wird deutlich, wie sehr Elias Eltern ihrer Heimat verbunden sind. Tante Sofie flieht mit ihrem Mann nach Amerika und versucht auch ihre Schwester zu überreden auszuwandern. Elias Eltern aber bleiben.

Diese drei Lebensgeschichten, sind drei einzelne und es gäbe noch viele andere zu erzählen, aber es sind auch drei Geschichten, die viele Menschen verstehen und vielleicht auch erlebt haben, oder aber von Ihren Eltern, Großeltern erzählt bekamen. Jeder einzelne Mensch kann und soll sich mit seiner Vergangenheit und seiner Zukunft befassen. „Vielleicht lebe ich …“ ist ein experimentelles Stück, das Kunst als intensive Gesellschaftsforschung begreift. Den Ausgang muss jeder für sich selbst entscheiden. Denn der Ausgang ist der Zuschauer an sich, der Zeitzeuge, der Nachkomme, der auf sich zurückgeworfen wird und der sein Leben lebt wie er es für richtig hält. Es bleibt die Vergebung und Hoffnung, dass wir alle aus der Vergangenheit lernen.

Es spielen: Peter Mair, Patrizia Köhle, Madeleine Weiler


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