Vortrag · Diverses

Kathrin Hartmann - Verrohung des Bürgertums


Ökonomen und weite Teile der Mittelschicht sind überzeugt: ohne Hartz IV wäre Deutschland nicht so gut durch die Krise gekommen. Dieser zynischen Einigkeit stehen mehr als 16 Millionen Deutsche gegenüber, die in oder am Rande der Armut leben - enteignet, entrechtet, diskriminiert. Kathrin Hartman zeigt, wie solche Diskurse heute zum Muster einer rhetorischen Spaltung und Diffamierung wurden.

Unter den entwertenden Begriff "Unterschicht" zusammengefasst wird diesen Armen, insbesondere Arbeitslosen, vor allem Verachtung und Misstrauen entgegen gebracht. Das Zerrbild des faulen Arbeitslosen dient dazu weitreichendste sozialen Einschnitte rechtfertigen und die Bürger gegeneinander aufzuhetzen.

Die Inszenierung des Schreckgespensts "Sozialschmarotzer" soll von einer Politik ablenken, die Reiche begünstigt und die Allgemeinheit beraubt. Denn nur mit dem Begriffspaar "Leistungsgerechtigkeit" versus "Sozialschmarotzer" lässt sich die wachsende Kluft zwischen arm und reich rechtfertigen. Aber wenn Mittelschicht aus Abstiegsangst nach unten tritt anstatt sich zu solidarisieren, wird weiter von unten nach oben verteilt.
Hartmann führt das am Beispiel der deutschen und internationalen Diskussionen aus - hochaktuell, im Österreich der Kurz-Strache-Regierung.

Moderation: Robert Misik, Autor und Journalist

Kathrin Hartmann, geboren 1972 in Ulm, studierte in Frankfurt/Main Kunstgeschichte, Philosophie und Skandinavistik. Nach einem Volontariat bei der »Frankfurter Rundschau« war sie dort Redakteurin für Nachrichten und Politik. Von 2006 bis 2009 arbeitete sie als Redakteurin bei »Neon«. 2009 erschien bei Blessing "Ende der Märchenstunde. Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt", 2012 folgte dort "Wir müssen leider draußen bleiben" über die neue Armut und 2015 "Aus kontrolliertem Raubbau" über die Ideologie der Green Economy. Kathrin Hartmann lebt und arbeitet in München. Im Februar 2018 erscheint ihr Buch „Die grüne Lüge“ (Blessing) mit Werner Boote, mit dem sie das Konzept für seinen Film "The Green Lie" verfasste und darin mitwirkt.


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