Theater

Verbrennungen


Mit „eindrucksvoller Sprach­gewalt“ (Die Welt) nimmt der 1968 im Libanon geborene frankokanadische Autor Wajdi Mouawad in Verbrennungen die Zuschauer mit auf eine lange Reise, auf der schonungslos von den Anlässen für Gewalt und Blutvergießen berichtet wird. Unter dem Titel „Incendies“ wurde Verbrennungen 2003 in Montréal uraufgeführt. Die deutsche Übersetzung eroberte innerhalb kürzester Zeit in über zwanzig Inszenierungen die Bühnen. Verfilmt wurde das Theaterstück 2010 vom kanadischen Regisseur Denis Villeneuve unter dem Titel Die Frau die singt – Incendies. Der Film wurde für den Oscar in der Rubrik Bester fremdsprachiger Film nominiert.

Im Notariat von Hermile Lebel haben sich Jeanne und Simon eingefunden, um der Testamentsverlesung ihrer verstorbenen Mutter Nawal Marwan beizuwohnen. Teil des Testaments sind auch zwei Umschläge, einer für Jeanne und einer für Simon. Jeanne erhält den Auftrag, den Umschlag ihrem Vater zu überbringen und Simon soll seinen Umschlag dem gemeinsamen Bruder überbringen. Weder wussten die Beiden, dass der Vater lebt, geschweige denn von einem weiteren Bruder. Erst wenn die Umschläge ihre Empfänger erreicht haben, werde ein Stein auf ihrem Grab aufgestellt werden können und ihr Name in der Sonne geschrieben stehen, schreibt Nawal in ihrem Testament.

Wo die Suche beginnen? Die letzten fünf Jahre verbrachte die Mutter in völligem Schweigen, auch ihren Kindern gegenüber. Die Über­raschung über den ungewöhn­lichen Willen der Mutter ruft bei Simon Zorn und Ablehnung hervor. Zu groß ist die Wunde, die das plötzliche und unerklärliche Verstummen der Mutter hinterlassen hat. So ist es anfangs nur Jeanne, die ihre Aufgabe zu erfüllen versucht und so hinter das Schweigen ihrer Mutter kommen möchte. Sie macht sich auf in das Land ihrer Mutter. Doch auch Simon folgt später nach. Stück für Stück lernen die Geschwister das Leben der Mutter und ihre eigene Herkunft kennen. Die Suche nach den eigenen Wurzeln führt sie in die kollektive Tragödie des Krieges zurück.

Wajdi Mouawad lebt in Montreal und Paris. Der Theatermacher und Schauspieler musste sein Heimatland mit acht Jahren verlassen, wuchs in Frankreich auf und emigrierte 1983 nach Kanada, weil ihm Frankreich das Bleiberecht verweigerte. Er gründete verschiedene Theatergruppen, mit denen er seine eigenen Stücke entwickelte und inszenierte. Seit 2007 ist Mouawad Künstlerischer Leiter des Französischen Theaters Ottawa.

Leitung:

Inszenierung
Johannes von Matuschka
Dramaturgie
Kathrin Bieligk


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