Alte Musik · Klassik

Venecie mundi splendor/ Staatsmotetten für Dogen der Serenissima


Als ich im Sommer des Vorjahres eingeladen wurde, eine CD-Aufnahme des auf Musik des Mittelalters spezialisierten italienischen Ensembles laReverdie fotografisch zu dokumentieren, war die Freude groß, sollte das Projekt doch in der mir inzwischen so lieb gewordenen Lagunenstadt stattfinden. Am 6. Oktober 2014 machte ich mich schließlich auf den Weg nach Venedig, und abgesehen von der Information, welche Vaporetto-Linie ich besteigen und an welcher Station ich aussteigen sollte, wusste ich kaum, was mich am Bestimmungsort erwarten würde.

Umso überwältigter war ich, als ich bei strahlendem Sonnenschein und tiefblauem Himmel San Giorgio Maggiore erreichte, die dem Becken von San Marco in südlicher Richtung vorgelagerte Insel mit der namensgebenden Basilika und dem ehemaligen Benediktinerkloster, dessen Ursprünge bis in das 10. Jahrhundert zurückreichen. Mit dem Betreten des weitläufigen Innenhofes der beeindruckenden Klosteranlage nahm die Begeisterung abermals zu, und je näher ich dem ehemaligen Refektorium kam, das für die nächsten 48 Stunden mein Arbeitsplatz sein sollte, umso mehr zog mich die Musik, die sich mir schon auf den Gängen ankündigte und deren Klang schließlich das Refektorium erfüllte, in ihren Bann. So dauerte es auch nicht lange, bis ich den Entschluss gefasst hatte, laReverdie mit gerade jenem Programm zur trigonale einzuladen, das auch im Mittelpunkt dieses CD-Projektes stand.

Festmusiken oder Staatsmotetten – diese Bezeichnungen werden wohl am ehesten den Werken gerecht, welche die Komponisten Marchetto da Padova, Francesco Landini, Johannes Ciconia, Antonius Romanus, Cristoforo de Monte und Hugo de Lantins zwischen 1330 und 1430 entweder Dogen der Serenissima gewidmet oder in deren Auftrag geschrieben haben. Aus dem Inhalt der Texte, in denen immer wieder die Namen der Dogen Erwähnung finden, lässt sich schließen, dass die Musik für den prachtvollen Rahmen staatlicher oder kirchlicher Anlässe konzipiert war. Um eben diesem extravaganten und festlichen Charakter des Repertoires Rechnung zu tragen, setzen die Musikerinnen und Musiker dieses Abends auf eine vielfältige und geradezu üppige Besetzung aus Instrumenten für Innenräume, auch bassa cappella genannt, bestehend aus Organetto, Fideln, Harfe und Blockflöte, kombiniert mit typischen Freiluftinstrumenten wie Zink und Posaune sowie gemischtem Vokalensemble.

Neben den Motetten nimmt laReverdie auch drei liturgische Kompositionen von Antonius Romanus ins Programm auf, wodurch der musikalische Rahmen dieses Jahrhunderts venezianischer Geschichte abgerundet wird. Romanus war von den oben erwähnten Komponisten offensichtlich der einzige, der eine kontinuierliche Beziehung zur Dogenkapelle aufrechterhielt. Er wurde 1420 als Magister Cantus an San Marco genannt und am 20. Juli 1425 in einer notariellen Urkunde als Cantor Sancti Marci erwähnt.

Als Aufführungsort für dieses Konzert steht uns zwar nicht der Markusdom in Venedig zur Verfügung, dennoch sind wir davon überzeugt, dass es den Musikerinnen und Musikern von laReverdie gelingen wird, diese äußerst selten gespielte Musik von überwältigender Schönheit im wunderbaren Rahmen der Tanzenberger Kirche mit ihrer exzellenten Akustik für uns zum Leben zu erwecken.

Stefan Schweiger

Ensemble laReverdie
Claudia Caffagni – Gesang
Livia Caffagni – Gesang, Fidel, Blockflöte
Elisabetta de Mircovich – Gesang, Fidel
Elena Bertuzzi – Gesang
Anna Pia Capurso – Gesang
Andrea Inghisciano – Zink
David Yacus – Posaune
Sara Mancuso – Organetto, Harfe
Mauro Morini – Posaune
Matteo Zenatti – Gesang, Harfe


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