Vortrag · Neue Klassik

Unerhört! 3000(0) Jahre Neue Musik


Die sogenannte Neue Musik tritt als Ästhetik des Widerstandes, der Irritation, der Reflexion in Erscheinung. Warum aber gestaltet sich die Vermittelbarkeit dieses Erfahrungsraumes im Vergleich zur bildenden Kunst, in der abstrakte und kontextabhängige Arbeiten längst selbstverständlich geworden sind, nach wie vor so schwierig? Schönbergs Prognose, dass seine Werke in 50 Jahren auf der Straße gepfiffen werden würden, sind bis heute Illusion.

Über das Ohr sind wir der Außenwelt auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Ob uns Heavy Metal als Säbelzahntiger der Gegenwart in Angst und Schrecken versetzt und Celine Dion auf die Tränendrüse drückt, hängt von soziokulturellen Filter-Setzungen ab. John Cages 4’33’’ gilt als Alarmsignal für alle, die sich aus der Bewusst- und Wehrlosigkeit gegenüber den Manipulationsversuchen von Kaufhausmusik und Sounddesign-Agenturen emanzipieren wollen. Das Ohr entwickelt sich mit der Zeit vom bloßen Alarmorgan über den Umweg der Verführung hin zum Erkenntnisorgan, das erschütternde Perspektiven in die Innen- und Außenwelt eröffnet.

Liberda ist Komponist, Vermittler und genuiner Performer. Er hüpft höher als Bernstein. Seine Lecture ist eine Tour de Force durch die Geschichte der Tonsysteme, Instrumentenentwicklung und Notationen hin zu einer neuen Aufmerksamkeit des Hörens.

Text und Lecture: Bruno Liberda
Idee, Entwicklung und szenische Einrichtung: Fanny Brunner
Dramaturgische Mitarbeit: Hans-Jürgen Hauptmann
Dauer: 130 Minuten. Eine Pause.


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