Literatur

Und ich schüttelte meinen Text und ich erwartete weitere Früchte – Friederike Mayröcker zum 90. Geburtstag


Am 20. Dezember feiert die große österreichische Dichterin Friederike Mayröcker ihren 90. Geburtstag. Aus diesem Anlass ehrt die Internationale Erich Fried Gesellschaft ihr langjähriges Präsidiumsmitglied mit einem Symposium, das sich mit Fragen der Übersetzbarkeit ihrer unverwechselbaren Lyrik und Prosa befasst.
Der Autor Peter Waterhouse wird sich in seiner Fried-Lecture – unter dem Aspekt Geschichte im Kunstwerk – mit Texten von Friederike Mayröcker und Erich Fried befassen. Friederike Mayröcker wird unter dem Titel „Lyrics“ neue Gedichte vorstellen.
Friederike Mayröcker, geb. 1924 in Wien, arbeitet zwischen 1946 bis 1969 als Englischlehrerin an verschiedenen Wiener Hauptschulen. Bereits 1939 beginnt sie mit ersten literarischen Arbeiten. Im Jahre 1954 lernt sie Ernst Jandl kennen, mit dem sie zunächst eine enge Freundschaft verbindet, später wird sie zu seiner Lebensgefährtin. Nach ersten Gedichtveröffentlichungen in der Wiener Avantgarde-Zeitschrift PLAN erfolgt 1956 ihre erste Buchpublikation. Seitdem erschienen Lyrik und Prosa, Erzählungen und Hörspiele, Kinderbücher und Bühnentexte, zuletzt bei Suhrkamp études(2013), Von den Umarmungen (2012), Ich sitze nur GRAUSAM da (2012). Auszeichnungen (Auswahl): Buchpreis der Wiener Wirtschaft (2014), Bremer Literaturpreis (2011), Peter-Huchel-Preis (2010), Hermann-Lenz-Preis (2009), Premio Internazionale (2003), Georg-Büchner-Preis (2001).

Fr, 21.11.2014, 15.00-18.00 Uhr
Übersetzungsworkshop 1 – Lyrik von Friederike Mayröcker
Geleitet von der russischen Literaturwissenschafterin und Übersetzerin Juliana Kaminskaja.
Als Vorbereitung zu dem Workshop sollen die Teilnehmer/innen dieses bislang noch nicht übersetzte Mayröcker-Gedicht in möglichst viele Sprachen übertragen – die Übertragungen bilden die Arbeitsgrundlage für den Workshop:

„dieser Nachsommer der mich mit seinen
grünen Armen umschlungen hält diese
glücklichste Stunde eine Viole am Himmel diese
langsamen Schritte die Strasze hinunter dieses
grüne Blatt in meinem Kalender diese roten
Blüten im grünen Gebüsch diese Gefühle vogel-
frei nämlich mein hohes Herz dies in der letzten
Sonne Sitzen so laubumwunden dieses eigene
Spiegelbild in der gläsernen Efeu Wand diese
glücklichste Stunde Tagmond am Horizont diese
welkende Sonnenblume im wehenden Garten diese
natürliche Vogelkehle von seitwärts blendet die Sonne“
3.10.06
Aus: dieses Jäckchen (nämlich) des Vogel Greif (S. 158).
im Gastgarten des Cuadro am Margaretenplatz geschrieben

Fr, 21.11.2014, 19.00 Uhr
Fried-Lecture von Peter Waterhouse
Peter Waterhouse nimmt das Jahr 1966 zum Ausgangspunkt seines Vortrags – das Jahr, in dem Friederike Mayröckers erster Sammelband von Lyrik Tod durch Musen. Poetische Texte und Erich Frieds frühes politisches Credo und Vietnam und erschienen. Peter Waterhouse, geb. 1956, lebt in Wien; studierte Anglistik und Germanistik in Wien; schreibt Lyrik, Essays, Erzählungen, Theaterstücke, Sachbücher und Romane, Herausgeber und Übersetzer aus dem Englischen und Italienischen. 2000 gründete er die Wolfenbütteler Übersetzergespräche; ausgezeichnet u. a. mit dem Erich Fried Preis (2007) und dem Großen Österreichischen Staatspreis (2012). Zuletzt erschienen bei Jung & Jung (Krieg und Welt) (2006) und Der Honigverkäufer im Palastgarten und das Auditorium Maximum (2010).


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