Kunstausstellung

Ulrike Königshofer - Dinge, die andere Dinge sind.


Ende Dezember 2015 präsentierte Ulrike Königshofer im Künstlerhaus Graz ihre Solo-Ausstellung "Dinge, die andere Dinge sind", Anfang 2016 wandern große Teile davon weiter in die Galerie Reinthaler. Die Schau behandelt die Aufnahme und Registrierung von Informationen über die Welt.

Den Ursprung fand diese Auseinandersetzung in der sinnlichen Wahrnehmung, die als physischer Prozess im Körper stattfindet und doch ein Wissen über das Außerhalb erzeugt. Wie nahe kann dieses wahrgenommene Bild an die Welt selbst herankommen? Die Arbeiten thematisieren diese Verbindung zwischen einem Gegenstand und seiner Abbildbarkeit.

Was macht einen physikalischen Prozess, die Reaktion eines Stoffes auf einen anderen, zum Abbild des einen vom anderen? Wie kann es etwas über einen anderen Gegenstand sagen, ohne selbst dieser Gegenstand zu sein? Dieser Themen­komplex wird in der Ausstellung über den Weg technischer Medien beschritten, das fotografische Bild dient als Prototyp für ein Verständnis von Abbildhaftigkeit.

Gezeigt wird etwa die Serie „80°Celsius“, bestehend aus Fotografien, die keine Abbilder sind. Sie entstanden durch die Einwirkung von Temperatur auf den Negativstreifen, der im Anschluss ganz ohne Kamera kurz dem Licht aus­gesetzt wurde. Das Fotomaterial ist hier nicht Abbild von etwas anderem, es ist nicht mehr Medium, sondern rein physikalisch anwesender Körper.

Eine weitere Arbeit, "Sechs Sekunden Mondlicht", fängt Mondschein auf Fotopapier ein. Es sollte weder ein Bild vom Mond entstehen, noch ein Schattenbildnis von den Dingen, die er beleuchtet (wie etwa bei einem Fotogramm). Die Aufnahmen wurden an jedem Tag eines Mondzyklus gemacht, indem Farb-Fotopapier vom Mondschein belichtet und danach entwickelt wurde. Die Leerstellen an der Wand markieren bewölkte Tage ohne Mond.

Gerade die körperliche Verbindung mit dem abgebildeten Objekt verleiht dem Medium seine Authentizität. Paradoxerweise verschwindet in der Betrachtung diese Materialität, hier wird das Medium nur als Vermittler wahrgenommen eines anderen Körpers und nicht als etwas, das selbst Körper ist - ähnlich einem wissenschaftlichen Messgerät, als stünde es an einem neutralen Standpunkt außerhalb der Welt. Das Medium gilt dann als ideal, wenn es selbst eigenschaftslos ist und eine reine Wiedergabe der Eigen­schaften des abgebildeten Objekts. Medien werden üblicherweise als reine Übermittler von etwas wahrgenommen und nicht auch selbst als Körper.

Die Arbeiten der Ausstellung heben das Medium aus seiner klassischen Rolle, sodass es nicht mehr als unstofflicher Informationsträger erscheint, sondern einen eigenen Körper bekommt. Die Betonung der Materialität des Medialen ermöglicht erst den Blick auf die Auf­nahme als stofflichen Gegenstand, der nicht auf etwas anderes verweist, sondern nur hier und jetzt und er selbst ist.


Vergangene Termine