Oper

Ulenspiegel


Walter Braunfels Oper versetzt die vermeintlich harmlose Schalk-Figur Ulenspiegel pointiert in einen der düstersten Kontexte der Menschheitsgeschichte.

Walter Braunfels Oper "Ulenspiegel" versetzt die vermeintlich harmlose Schalk-Figur Ulenspiegel (oder auch: Eulenspiegel) pointiert in einen der düstersten Kontexte der Menschheitsgeschichte: die Schreckensherrschaft der Inquisition im Flandern des 16. Jahrhunderts.

Der "Anarcho" Ulenspiegel steht als Mahnmal für die Freiheit des Geistes, die sich durch kein noch so grausames Regime unterdrücken lässt. Sein provokanter und subversiver Witz erfährt schließlich durch das persönliche Erleben von Terror und Folter eine politische Radikalisierung. Ulenspiegel wird zum unerschütterlichen Widerstandskämpfer und stellt sich an die Spitze der Rebellion.

Dass ausgerechnet ein Narr den ultimativen Kampf für die Freiheit anführt, lässt sich als eine zutiefst pessimistische Weltsicht des "Halbjuden" Walter Braunfels lesen, der schon zur Entstehungszeit der Oper 1913 die grausame Diktatur, die sich zwanzig Jahre später in Deutschland etablieren sollte, vorausgeahnt haben mag. Ist alle Freiheit auf Erden nichts weiter als eine unerreichbare Utopie? Ist der Narr - wie in Hieronymus Boschs Gemälde "Das Narrenschiff" - am Ende doch derjenige, der am allerwenigsten närrisch ist?

Der Monumentalbau der Tabakfabrik Linz ist ein Ort von historischer Brisanz. Während der NS-Herrschaft in Österreich zum industriellen Prestigeobjekt erklärt, durch den Kommunisten Josef Teufl zum Schauplatz von Widerstand gegen Unterdrückung avanciert, bietet es das ideale Ambiente für ein spannungsgeladenes Werk wie "Ulenspiegel".
Roland Schwab

Walter Braunfels, geboren und aufgewachsen in Frankfurt, gilt als Shooting Star unter den "Wiederentdeckten", also den von den Nationalsozialisten verfemten und seitdem aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit verschwundenen Komponisten. Ab 1920 zählte er neben Richard Strauss und Franz Schreker zu den meistgespielten Opernkomponisten in Deutschland. Seine erfolgreiche Laufbahn als Komponist und als Direktor der neu gegründeten Hochschule für Musik in Köln endete jäh mit der "Machtergreifung" 1933.

Ulenspiegel, nach dem zweiten Weltkrieg komplett in Vergessenheit, wurde erst 2011 in Gera wieder auf die Bühne gebracht. In Linz wird "Ulenspiegel" in den Räumen der ehemaligen Tabakfabrik erarbeitet und in diesem räumlichen und geschichtlichen Kontext zu entdecken sein. Das Werk wird in Österreich das erste Mal szenisch zu erleben sein. Zur Aufführung kommt eine eigens dafür in Auftrag gegebene Bearbeitung für Kammerorchester von Werner Steinmetz.

Oper in drei Aufzügen
Libretto: Walter Braunfels nach einem Roman von Charles de Coster

Uraufführung: Stuttgart 1913
Verlag: Ries & Erler Berlin

In einer musikalischen Bearbeitung für Kammerorchester von Werner Steinmetz.

Israel Chamber Orchestra
Martin Sieghart Dirigent
Roland Schwab Inszenierung
Susanne Thomasberger Ausstattung


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