Theater

Tropfen auf heiße Steine



Gerademal neunzehnjährig hat Rainer Werner Fassbinder sein erstes Stück verfasst, es jedoch selbst nie auf die Bühne gebracht oder verfilmt. Die zugleich hochkomische wie tragische Persiflage auf Beziehungsklischees erzählt von der zutiefst menschlichen Sehnsucht nach Nähe und dem Gefangensein in bürgerlichen Beziehungsstrukturen.

Warum er mitgekommen ist, weiß Franz nicht so recht. Aber jetzt sitzt der zwanzigjährige Träumer bei dem deutlich älteren Leopold in der Wohnung. Keine halbe Stunde später haben sie Sex. Kein halbes Jahr später sitzt Franz noch immer in Leopolds Wohnung. Er führt nun seinen Haushalt und wartet sehnsüchtig auf die Rückkehr des Geliebten von dessen Geschäftsreisen. Franz hat seine Verlobte Anna für diese neue Liebe verlassen, doch so richtig glücklich ist er mit Leopold schon nicht mehr. Längst sind die beiden in jene Beziehungsmuster verfallen, denen sie entkommen wollten, längst geht es nur noch um Vorwürfe und Befindlichkeiten, ums Rechthaben und Nichtsrechtmachenkönnen. Wenigstens im Bett läuft es noch gut. Nun will Anna Franz zurück, er lässt sich eher unwillig darauf ein. Die beiden werden von Leopold überrascht, der sich seinerseits mit seiner Ex Vera wiedervereint hat.

Rainer Werner Fassbinder, 1945–1982, gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des Neuen Deutschen Films. Zum Film kam er über das Theater, er schrieb 18 Bühnenstücke und gründete 1966 mit anderen Künstler*innen das antiteater, wo er auch Regie führte.


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