Theater

Traummaschine


Freud-Projekt

von Bernd Liepold-Mosser
Theaterwerkstatt

Einführungsgespräch
am 30. Jänner 2015 um 18.30 Uhr

Publikumsgespräch mit dem Ensemble
am 11. März 2015 nach der Vorstellung

Vorstellungen für Schulen um 10.30 Uhr auf Anfrage!

Anfang des 20. Jahrhunderts herrschte Endzeitstimmung und Aufbruchslust. Die Industrialisierung hatte gesellschaftliche Strukturen durchbrochen und neue Freiheiten ermöglicht. Nationalismus und Kriegslust erhitzten die Gesellschaft, über der ein leerer Himmel hing. In dieser Zeit der Orientierungslosigkeit und Euphorie, der Dekadenz, Frivolität und Individualisierung nahm Dr. Sigmund Freud in Wien seine Arbeit auf. Der Nervenarzt beobachtete und analysierte seine PatientInnen in einer völlig neuartigen Weise. Was bislang in der Medizin nicht beachtet worden war, rückte bei Freud ins Zentrum: Träume und Phantasien, Witze und Fehlleistungen, Ängste und Lüste wurden zum Glossar menschlichen Handelns und lieferten das seelische Abbild einer Gesellschaft kurz vor dem Krieg.

Bei aller wissenschaftlichen Akribie ist es ein fabelhaftes Universum, das Sigmund Freud mit seinem Oeuvre aufgespannt hat. Allmächtige Figuren, vieldeutige Wesen und getriebene Menschen bevölkern seine Fallstudien und theoretischen Schriften. Theatrales und dramatisches Potential ist aber auch dem Setting seiner Therapieform, der Psychoanalyse, eingeschrieben: Im Rahmen einer mit Projektionen aufgeladenen Therapiebeziehung geht es um die Versprachlichung verdrängter Sexualität und verbotener Gedanken. Untersucht werden Familienstrukturen, die auch im griechischen Drama beheimatet sind und auf das Unbewusste verweisen. Wie im Theater ist das Gesagte nur die Oberfläche einer Mischung an Gefühlen und Meinungen.

Mit einem assoziativen Theaterabend versetzt der Autor und Regisseur Bernd Liepold-Mosser die dramatische Textur des freudschen Werkes in Schwingung. Er öffnet die Türen zu einem Panoptikum, in dem uns ein bizarres Personal mit grotesk-tragischen Geschichten begegnet: ParanoikerInnen, HysterikerInnen, PatientInnen mit Namen wie Dora, Wolfsmann oder kleiner Hans, verschrobene Typen, in deren Abweichungen sich Grundmuster des Menschlichen zeigen. Eine Reise durch die Sprache der Psychoanalyse, die ausgehend von der Seelenlandschaft des Fin de Siècle zu den Befindlichkeiten und Obsessionen des 21. Jahrhunderts führt.

Besetzung

Mutter / Martha (Salondame)
Christine Jirku

Dora (Stubenmädel)
Nadine Zeintl

Emmy (junge Dame)
Lisa Weidenmüller

Freud
Helmut Wiesinger

Kleiner Hans (besserer Herr)
Othmar Schratt

Wolfsmann / Mann / Vater / Rattenmann (Offizier)
Michael Scherff

Regie
Bernd Liepold-Mosser

Ausstattung
Karla Fehlenberg

Video
Philip Kandler


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