Film

Tower House


Tower House ist ein experimenteller Dokumentarfilm über das 1966 von Takamitsu Azuma gebaute gleichnamige Haus in Tokio. Das auf einem 20 Quadratmeter kleinen Grundstück errichtete Turmhaus galt seit seiner Entstehung als Symbol für das Wohnen im Zentrum moderner Metropolen und als ein Musterbeispiel für den Umgang mit der knappen Resource Raum.

Der Architekt hatte es für seine Familie in Form eines kontinuierlich vertikalen Raumes konzipiert, wobei die Treppen die signifikanteste Struktur im Innenraum bilden. Sie verbinden die einzelnen, übereinander gestapelten Wohnplattformen ohne dazwischenliegende Türen.

Der Film geht von der verbindenden Struktur der Treppen aus: sie werden zum regiebestimmenden Element. Vom Straßenniveau ausgehend filmt die eigens adaptierte Kamera in langsamen, kreisförmigen Panoramaaufnahmen Stufe für Stufe bis in die oberste Etage. So ergibt sich auf dem Weg nach oben ein durchgehender, spiralförmiger Bewegungsfluss des Blickes, vorbei an den betonrauen Wänden und allen räumlichen Wohnzonen, bis sich schließlich der Blick auf die Stadt öffnet.

Diese auf die Bildebene übertragene innere Struktur des Hauses findet auf der Tonebene eine Entsprechung: die Off-Erzählung seiner Bewohnerin über das Haus und das Leben in ihm. Simultan mit dem langsam von Stufe zu Stufe und von Stockwerk zu Stockwerk aufsteigenden Kamerablick entwickelt sich die Geschichte der Protagonistin, der Tochter des Architekten, von ihren Kindheitserinnerungen bis zu ihrem heutigen Leben im Tower House.

Der Film Tower House ist nicht bloß ein Portrait dieses faszinierenden Gebäudes, sondern thematisiert in der filmischen Kopplung von Raum und Geschichte zudem den in Japan stattfindenden urbanen und gesellschaftlichen Wandel der letzten Jahrzehnte.

Karl Heinz Klopf, AT / JP / 2013, 62 min.

www.sixpackfilm.com/de/catalogue/show/2085


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