Theater

Tote Seelen


Steuern für Tote einzutreiben ist das brillante Geschäftsmodell des Beamten Tschitschikow, der in den Finanzjongleuren des 21. Jahrhunderts durchaus kongeniale Wiedergänger findet. Das Wunderwerk dieser Inszenierung ist der ganz und gar heutige Ton von Betrügern und Staatsdienern, obwohl der Moskauer Regisseur Kirill Serebrennikow vollkommen unverkrampft auf eine Übertragung des Romansujets in die Jetztzeit verzichtet.

Tote Seelen im Volkstheater



Die von einem herausragenden Männerensemble geführte vexierbildartige Szenenfolge leitet durch ein Labyrinth voller Täuschungen, eine ununterbrochen komische Verwandlung aller Spieler, eine Kette absurder Begebenheiten: alte Weiber oder rührende Säufer, sogar Pferde, ein Rudel Hunde … In dieser Welt der Maskierung ist selbst Tschitschikow nur ein ganz kleiner Gauner, der zum Opfer derer wird, die noch gerissener sind als er.

Für die Inszenierung hat der Komponist Alexander Manotskow Lieder nach den „lyrischen Abschweifungen“ Gogols komponiert. Jeder dieser philosophischen Texte ist wie ein Schlüsselloch, um tief in die Seelen vollkommen durchschnittlicher Beamter, Gutsbesitzer und anderer Provinzbewohner zu schauen: liebevoll-satirische Miniaturen von der
Banalität des Bösen.

Das Gogol-Zentrum ist eine der eigenwilligsten Kunstinstitutionen Moskaus: Mit Theater, Konzerten, Ausstellungen und Gesprächen lädt dieser Ort zur lebendigen Auseinandersetzung mit Kunst und Gesellschaft ein.



Gastspiel Gogol-Zentrum, Moskau In russischer Sprache mit deutschen Übertiteln



Premiere im deutschsprachigen Raum
Text nach dem Roman Tote Seelen von Nikolai Gogol
Regie und Ausstattung
Inszenierung, Bühne und Kostüme: Kirill Serebrennikow
Komposition: Alexander Manotskow
Musikalische Leitung: Arina Zvereva
Licht: Igor Kapustin

Besetzung:
Odin Biron, Oleg Guschtschin, Ilja Kovrischnikh, Anton Kukuschkin, Nikita Kukuschkin, Andrej Poliakow, Jewgeni Sangadschiew, Sergej Sosnowski, Semjon Steinberg, Michail Troinik, Anton Wassiljew

Publikumsgespräch 21. Mai 2015, im Anschluss, Eintritt frei


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