Theater

Torquato Tasso



Goethes Künstlerdrama ist vielleicht sein persönlichstes Stück: „ein gesteigerter Werther“, „Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch“. Es erzählt in meisterhaft-strenger Versform von der „Disproportion des Talents mit dem Leben“, von Kunst und Markt, Genies und Staatsmännern, Macht und Ohnmacht.

Ein lichter Frühlingstag auf Belriguardo, dem Lustschloss des Herzogs von Ferrara: Der Dichter Torquato Tasso, der gleichsam als artist-in-residence am Hof von Alfons II. lebt, hat sein neues Epos Das befreite Jerusalem vollendet und überreicht es nun seinem Mäzen. Noch bevor irgendjemand das Werk gelesen hat, setzt Leonore, die Schwester des Herzogs, ihm dafür Vorschusslorbeeren auf. Man pflegt wieder einmal kunstsinnige Konversation, als Antonio in die Idylle hereinbricht. Obgleich dieser alles tut, um Tasso zu verletzen, versucht der Dichter, die Freundschaft des weltgewandten Diplomaten zu gewinnen. Doch nach weiteren Attacken Antonios gegen Kunst und Wissenschaft und vor allem auch gegen Tasso persönlich eskaliert die Situation – Tasso zieht den Degen, wider alle höfischen Regeln. Diesen Tabubruch muss der Herzog, eher mildgestimmt, mit Hausarrest bestrafen. Der Künstler wähnt sich gefangen und, zerfressen von Misstrauen, überflüssig in der Welt – im Gegensatz zum mit beiden Beinen im Leben stehenden Realpolitiker Antonio. Vom Herzog fordert er sein Epos zurück, um in Rom daran feilen zu können, doch Alfons, der schließlich dafür bezahlt hat, verspricht ihm bloß eine Kopie. Tasso, immer am Rande der Selbstverbrennung, begeht die nächste Grenzüberschreitung – mit einem Kuss.

Besetzung:

Alfons der Zweite, Herzog von Ferrara
Ignaz Kirchner

Leonore von Este, seine Schwester
Andrea Wenzl

Leonore Sanvitale, Gräfin von Scandiano
Dorothee Hartinger

Torquato Tasso, Hofdichter
Philipp Hauß

Antonio Montecatino, Staatssekretär
Ole Lagerpusch

Musiker
Friederike Bernhardt

Regie: Martin Laberenz
Bühnenbild: Volker Hintermeier
Kostüme: Aino Laberenz
Musik: Friederike Bernhardt
Licht: Peter Bandl
Dramaturgie: Florian Hirsch