Kunstausstellung · Fotografie Ausstellung

Tone Fink & Eva Kees - Inside Out


Lustvoll gezeichnet, oft krafttänzerisch bis beidhändig gegrafitelt, gelocht, geschnitten, aufgerissen und wieder zugeklebt, so präsentieren sich die Grafiken und Pappmachéobjekte von Tone Fink.

Insbesondere die Zeichnung bietet dem Künstler, der ebenso zwischen Performance, Installation, Film und Malerei navigiert, einen Spielraum für Experimente. In ihnen führt er Versuchsanordnungen durch und gelangt so zu Variationen jenseits inhaltlicher und formaler Restriktionen. Die Vielseitigkeit seines Schaffens und die Flexibilität in der Materialwahl zeigen sich im Bildraum Bodensee in aktuellen, großformatigen Serien und einem Querschnitt aus Arbeiten aus den 70er und 80er Jahren, in denen sich Fink von der naturalistischen Objektbeschreibung erstmals löste und in spielerischer Ungezwungenheit begann seinen Zeichenkosmos auszubauen. Begleitet von grafischen Strukturen erscheinen hier auf dem Papier skurrile Phantasiegeschöpfe von spiraliger, schlauchartiger Gestalt, oder abgetrennte, lose Körperteile. Tone Fink greift zu Bleistift, Buntstift, Wachsmalkreide oder Aquarell und schafft durch die Kombination weicher, kreidiger, aber auch harter und kratziger Stichführungen dynamische Bilderwelten.

Auch in seinen aktuellen Arbeiten finden sich die Zerkratzungs-, Aufreiss- und Durchlöcherungstechniken, die der Künstler mit wechselnder Intensität gegen das und mit dem Papier anwendet. Dafür ist Tone Fink mindestens so bekannt wie für seine Exkursionen ins Reich des Unterbewussten, der Alpträume und Dämonen. In seinen neuesten Arbeiten, wie auch seinen älteren Objekten und Zeichnungen, handelt es sich um eine ins physische transformierte Art der symbolischen Abreaktion. Der Untergrund funktioniert dabei nicht als konventioneller Bildträger, sondern wird zum formbaren Material. Dezent eingesetzte Farben markieren die Stellen größter linearer Verdichtungen, so dass sie seine Strichkörper gleich einer transparenten Nervenhaut überziehen. Der Betrachter, der die Linien der meterlangen, neuen Papierarbeiten wie Peitschenhiebe über die Fläche zischen sieht, wird hineinkatapultiert in ein Meer an Bedeutungen. Hierin herrscht eine Spannung zwischen graphischen Formen, konkreten Farbakzenten und dem malträtierten Papier. Selbst in den Bildbeschreibungen verliert sich der Betrachter in Unklarheiten. Tone Fink jongliert gekonnt mit Worten und überzeichnet mit Witz und Ironie so oftmals auch eigene Ängste und Phantasien.

In Dialog zu Tone Fink’s Arbeiten treten Fotoserien, Videos und Leuchtobjekte von Eva Kees, die mit Vehemenz die porösen Finkschen Papiermembranen durchbrechen. Innersense, eine Serie aus Leuchtobjekten, beschreibt dabei am Eindrücklichsten die auftretende Kluft zwischen Kees und Fink. Was bei Tone Fink poröse und verletzliche Hülle ist, reißt Eva Kees weiter auf. Ungebremst zoomt die Vorarlberger Künstlerin an ihre Motive heran und präsentiert sie steril auf grellweißem Untergrund. Kees rückt Ausschnitte ins Zentrum, die in erster Linie als abstoßend und irritierend empfunden werden und prüft so den Betrachter im wahrsten Sinne auf Herz und Nieren. Erst nach Überwindung der ersten abweisenden Reaktion werden die zarten Zitate sichtbar, die Eva Kees in ihre Fotografien verpflanzt. Es sind ganz geläufige Phrasen wie „du hörst mir nie zu“, oder „immer werde ich von dir ungerecht behandelt“, also spontane Ausdrücke des Missfallens, die in Kombination mit dem Bildsujet den emotionalen Kommunikationsansatz von Eva Kees spürbar machen.

Mit der Fotoserie Körper dringt Kees weiter in die menschliche Psyche vor. Hinter einer milchig-transparenten Bildmembran erobern Figuren beinahe tänzerisch den Raum für sich. Zorn, Anklage, stummes Leid, Freude oder Glückseligkeit - der Moment, in dem das Bild gefriert, ist der Moment, der Kees Erzählung auf den Punkt bringt. Schon eine Zehntelsekunde später, so hat man den Eindruck, wären die Silhouetten gänzlich aufgelöst und die Sensibilität, mit der die Fotografie die Geschichte erzählt, zerstört. Als einzige Berührungspunkte der schemenhaften Körper mit der Außenwelt lässt die Künstlerin nur die Hände und Füße auf der Bildfläche ruhen. So schafft sie eine Inszenierung, die ein Bruchstück der Physiognomie als das einzig Reale erfasst, das Halt und Gewissheit in der digitalen Welt und ihrer Entfernung vom Körperhaften gibt. Auch in den Arbeiten der Serie Lights liegt Eva Kees Augenmerk, neben der Untersuchung der Kraft des spontanen Gestus, auf den Verschiebungen zwischen der kollektiv wahrgenommen Realität und einer gestischen Individualisierung. Wie ein körperlich bestimmtes Selbstverhältnis aussehen kann, umreißt die Künstlerin in einer expressiven, fließenden Lichtmalerei, die ihre Figuren hell umzeichnet. Eva Kees drängt aus diesen Doppelprojektionen das Bewusstsein auf, dass das Flüchtige unserer phänomenalen Welt erst in der unverrückbaren Ordnung ihrer Bilder sichtbar wird.


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