Theater

Tiroler Volksschauspiele 2016


Die Tiroler Volksschauspiele sind ein Theaterfestival, das jährlich im Juli und August in Telfs in Tirol stattfindet. Es gibt keine feste Spielstätte, es werden Spielorte für die jeweiligen Stücke gesucht, die dann für die Inszenierung adaptiert werden. Die Zusammenarbeit von Profis und Laien wird seit Beginn gepflegt.

Die Tiroler Volksschauspiele lassen einen Theatermann hochleben, der heuer seit 400 Jahren tot ist: William Shakespeare. DER WIDERSPENSTIGEN ZÄHMUNG eine kolossale Komödie, ein sprühender Kampf der Geschlechter, ein Wortgefecht und Handgemenge zwischen bös- und unwilliger aber reicher Braut und abgebrannten und daher umso willigeren Bräutigam. So etwas kann man nur in einer Manege aufführen: Deshalb bauen wir dafür ein veritables Zirkuszelt.

Felix Mitterer ist heuer gleich mehrmals vertreten: Sein ungewöhnliches Stück DIE WEBERISCHEN erzählt auf musikalische, höchst amüsante und gleichermaßen aberwitzig anmutende Art und Weise die wahre Geschichte einer prekären Weiberwirtschaft – und zwar die der Weberischen! Ehefrau, Schwiegermutter und Schwägerinnen des Komponistengenies Wolfgang Amadeus Mozart sitzen nach dessen Tode finanziell auf dem Trockenen. Jetzt ist guter Rat teuer …

Weiters gibt es ein Comeback des leibhaftigen Felix Mitterer als Affe Rotpeter in EIN BERICHT FÜR EINE AKADEMIE von Franz Kafka – nochmals schildert er seinen harten Weg vom Affen zum Mensch und singt Schlager aus den 30er Jahren, brillant begleitet von Siggi und Juliana Haider. Eine Kombination mit Seltenheitswert.

Eine Irreal-Satire nennt Christine Frei ihre musikalische Groteske DIE DISZIPLINIERTE TIROLERIN, die heuer als Kooperation mit dem 8. Dramatikerfestival zu uns kommt: Der genüsslich böswitzige Blick auf eine Tiroler Frauenfigur namens Susi ist stilistisch scharf geschliffen und lässt die Politische Korrektheit insgesamt eher alt aussehen.

Für das ganz junge Publikum gibt es hingegen heuer das Märchen DER WOLF UND DIE SIEBEN GEISSLEIN – ein schaurig-wölfisches Bilderspiel – natürlich mit grimm-igem Happy End. Denn merke: Gefressen sein heißt noch lange nicht tot!

Der junge Schauspieler Max Simonischek gastiert heuer übrigens noch mit einem ganz anderen Kafka in Telfs: Nämlich DER BAU. Ein skurril-abgründiger Abstieg in das Herz eines nicht näher bestimmten Tieres, das sich ein unterirdisches Labyrinth baut und es misstrauisch bewacht. Wer keine Angst vor Tiefenschärfe hat, sei herzlich dazu eingeladen.

Nur auf den ersten Blick anders geht es in der bayrischen Ecke ab: Saubere Musik und dreckige Geschichten bringt Georg Ringsgwandl mit Band in den Stadl, und zwar mit seinem Programm mit dem vielversprechenden Titel DEPPERT, ABER MUNTER! Zu hören gibt es alte Reißer und frisches Gwachs.

Und was es wiegt, das hat es: Unsere letztjährige „Dame mit dem Hund“, die großartige Christine Ostermayer kommt nochmals zu den Volksschauspielen und liest zusammen mit ihrem ebenso bekannten wie preisgekrönten Bühnenkollegen Wolfgang Hübsch: IST DIE SCHWARZE KÖCHIN DA? von der Autorin der „Späten Gegend“ Lida Winiewicz.

Felix Mitterer liest ausserdem gleich zweimal: aus seinem neu erschienen Buch STÜCKE 5 und ZWEI FRAUEN VOM 4. STOCK von Ewald Heinz.


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