Literatur · Theater

Tibor Noé Kiss


Tibor Noé Kiss ist Schriftstellerin, Journalistin, Redakteur einer Literaturzeitschrift und lebt in Pécs. Nach dem Studium der Soziologie absolvierte sie eine Journalistenschule. Sie organisierte unter anderem kulturelle Veranstaltungsreihen, führte Meinungsumfragen durch, jobbte als Zeitungsausträgerin und Fußballtrainerin für Jugendliche aus sozial schwachen Familien. Ihr erster Roman Inkognito, ihr Bekenntnis zu ihrer Transsexualität, erschien 2010. Stumme Wiesen ist ihr zweiter Roman.

"Kiss erzählt von der heruntergekommenen Siedlung, gegenüber ein Wäldchen, in dessen Mitte eine Wiese, der einstige Fußballplatz, vergammelt. Auch die Hallen der Kolchose sind leer, die Fenster zerbrochen, die Neonröhren zerschlagen. Wenn es regnet, hört es sich an, als würden Maschinengewehrschüsse auf die Hallendächer prasseln. 'Die Menschen hielten seit Jahren Wache, jeder trauerte um seine eigenen Toten. Und gab es keine Toten, dann trauerten sie um die Lebenden, die sie für immer verloren hatten.' Tagsüber bleiben sie zu Hause, schützen sich vor sengender Sonne, vor prasselndem Regen oder eisigem Schnee. 'Bei Einbruch der Dunkelheit streiften sie auf den Pfaden durch das Wäldchen, sie wussten selbst nicht, warum. Sie gingen zu den Feldern hinaus, liefen viele Kilometer, den Traktorspuren folgend, dann machten sie kehrt. Sie irrten zwischen den verlassenen Ställen umher, als suchten sie jemanden. [...] Auch im Dunkeln erkannten sie den anderen von Weitem [...] Doch sie gingen sich lieber aus dem Weg, konnten nie wissen, was der andere im Sinn hatte.'" (zitiert nach einer Rezension von Gudrun Brzoska)

Schlicht konstruierte, schlanke Prosa mit einem umwerfenden, ergreifenden Potential. Stumme Wiesen, aus dem Ungarischen von Eva Zador, erschien in der deutschsprachigen Ausgabe 2017 im Nischen Verlag.


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