Ausstellung: Wissen

Tibet - Der Rauchfangkehrer und das Dach der Welt


Rauchfangkehrermuseum

1040 Wien, Klagbaumgasse 4

Fr., 07.10.2016 - Do., 01.06.2017

  • Eintritt frei

Der Rauchfangkehrer und das Dach der Welt (Tibet) Was fällt Ihnen zum Thema Tibet ein? Mir Spontan: ein Land, mehr als 8000 km von Österreich entfernt; das „Dach der Welt“; die beeindruckende Schneelandschaft des Himalaya; der Yeti, der laut Reinhold Messner ein „großer Schneebär“ ist; der Dalai Lama; Heinrich Harrers Trip zum Nanga Parbat und seine „Sieben Jahre in Tibet“; der Film, in dem Brad Pitt „den Harrer gibt“.

Befasst man sich näher mit der Geschichte des Landes, ergibt sich Erstaunliches. Geschichte und Kultur sind so aufregend und einmalig, es würde zu weit führen, sich hier stark ins Detail zu vertiefen.

Nur so viel: Die Geschichte und Kultur Tibets reichen Jahrtausende weit zurück. Tibet besitzt eine eigene Sprache und Schrift. Das Königreich Tibet entstand im 7. Jahrhundert. Es erreichte unter König Songsten Gampo (627–649 n. Chr.) eine Hochblüte. Der Buddhismus, im 9. Jahrhundert aus Indien kommend, entwickelte sich zunächst zur prägenden Philosophie und Religion. Eine islamische Invasion vernichtete um die Jahrtausendwende den Buddhismus. Im Jahre 1240 wurde Tibet durch den mongolischen Khan Güyük Khan erobert. Ab diesem Zeitpunkt kehrte der Buddhismus langsam wieder zurück. Angehörige der buddhistischen Sakya Schule wurden von den mongolischen Khans als Vizekönige eingesetzt.

1679 wurde Sangye Gyatso von Lhabsang Khan zum tibetischen obersten Regenten mit dem Titel „Desi des 5. Dalai Lama“, ernannt. Ab nun hatten die Dalai Lamas mit Unterstützung der Mongolen die weltliche und geistliche Herrschaft. Der Einfluss der Mongolen sowie der chinesischen Mandschukaiser ging langsam zurück.

Tibets Geschichte ist geprägt von vielen Machtansprüchen unterschiedlicher Regierungen: Anfang des 20. Jahrhunderts waren es die Russen, die einen starken diplomatischen Einfluss auf Tibet gewinnen wollten. Im November 1903 annektierten die Briten von Indien aus das Land. Der 13. Dalai Lama musste in die Mongolei fliehen.

Im Vertrag von Sankt Petersburg von 1907 einigten sich England und Russland über ihre Interessenssphären in Zentralasien und stellten die Oberhoheit Mandschu-Chinas über Tibet fest. 1910 schickten die Mandschuren eine eigene militärische Expedition, um diesen Anspruch zu festigen. Der Dalai Lama, kaum aus dem Exil heimgekehrt, floh erneut, diesmal nach Indien. Infolge der chinesischen Revolution im Oktober 1911, des Sturzes der Qing-Dynastie und des damit einhergehenden Endes des Kaisertums in China, verließen die chinesischen Truppen Tibet.

Im Frühjahr 1912 gab es nur noch eine kleine chinesische Garnison in Lhasa. Der Dalai Lama kehrte zurück und zog im Juni 1912 in Lhasa ein. Nach Vertreibung der letzten mandschu-chinesischen Truppen aus Lhasa Anfang Januar 1913 proklamierte der Dalai Lama am 14. Februar 1913 feierlich die staatliche Unabhängigkeit Tibets.

Der chinesische Machtanspruch verlor aber nur kurz an Bedeutung. Er erwachte wieder nach der Gründung der Volksrepublik China unter der Führung von Mao Zedong (Oktober 1949).

Am 23. Mai 1951 wurde in einem 17-Punkte-Abkommen die Integration Tibets in China festgelegt, wobei Tibet neben der regionalen Autonomie und Religionsfreiheit auch die Garantie zugesichert wurde, dass das existierende politische System in Tibet unverändert bliebe. Da das religiös-politische System Tibets und die Stellung des Dalai Lamas unverändert zu bleiben schien, stimmte die Regierung von Lhasa am 24. Oktober 1951 dem Abkommen zu.

Wenige Tage darauf brach die Volksbefreiungsarmee in Richtung Zentraltibet auf und errichtete in Lhasa binnen weniger Monate eine große Militärpräsenz. Der Einfluss der Chinesen nahm wieder zu und mehrere tausend Klöster wurden in den 60er und 70er Jahren von ihnen zerstört.

Am 17. März 1959 floh der dort verweilende Dalai Lama nach Indien. Zwei Tage später brachen Kämpfe in der Stadt aus, der Volksaufstand wurde aber niedergeschlagen. Tibet befindet sich nun unter der Herrschaft des 14. Dalai Lamas Tenzin Gvatso.

Tibet, ein Land, berühmt auch durch seine zahllosen Weisheiten und Sprüche, wie: „Keiner kann seinen eigenen Kopf rasieren“ – oder: „Leichtgläubigkeit ist besser als Ungläubigkeit“ – oder: „Lieber ein Jahr wie ein Tiger leben als 1000 Jahre wie ein Schaf“.

Schauen Sie rein in unsere Ausstellung und nehmen Sie sich selbst ein Stückchen Tibet (zumindest im Geiste) mit.