Jazz

The Yellow Lounge


Maria Radutu 'Insomnia'
„Der Unterschied zwischen Hölle und Himmel kann nur dieser sein: im Paradies kann man schlafen, wenn man will, in der Hölle niemals.“ formulierte der berühmte, aus Rumänien stammende, in Paris wirkende Aphoristiker E.M Cioran einmal. Er musste es wissen, litt er doch seit seinem 19. Lebensjahr an Schlaflosigkeit. Die österreichisch-rumänische Pianistin Maria Radutu, international gefragte Solistin und Kammermusikerin, ist von dieser Pein verschont. Der Grund, warum sie ihr zweites Soloalbum „Insomnia“ nennt, liegt in ihrer Vergangenheit als Reisende im Nachtzug zwischen Bukarest, Wien und Paris. Die damalige Studentin fühlte paradoxerweise große Freiheit just in den nocturnen Stunden, wenn nichts als Schwarz am Abteilfenster auszumachen war. Es war, als fiele alles ab von ihr.

Sämtliche sozialen Rollen traten in den Hintergrund, wenn sich da dieses seltsam entspannte Gefühl einstellte. Plötzlich war sie keine Studentin, keine Tochter, keine Schwester mehr sondern einfach nur sie selbst. Als frühe Wanderin zwischen den Welten und Gemütslagen von Ost- und Westeuropa, bildete sie eine Art Doppelidentität aus, die auch ihre musikalischen Interpretationen prägt. „Ich denke, keine Kunst lässt tiefer fühlen als Musik. Sie braucht nicht den Umweg über das Denken. Und es sind immer die gleichen paar Gefühle, die man in der Kunst, egal ob sie aktuell, hundert oder dreihundert Jahre alt ist, reflektiert. Also Sehnsucht nach Liebe, Angst, Euphorien und Depressionen – das Auf und Ab des Lebens muss in der Musik abgebildet sein.“ Und so finden sich auf „Insomnia“ angstgepeitschte Stimmungen genauso wie ein hoffnungsfrohes, jazznahes Morgengebet. Nordischer Minimalismus genauso wie bedrohlich aufgepeitschte Texturen. Die Komponisten kommen aus allen geistig-musikalischen Windrichtungen und heißen Arvo Pärt und Skrjabin, Faure und Raynaldo Hahn, Jean Sibelius und Peteris Vasks, Christoph Cech und Margareta Ferek-Petric.

Mit ihrem delikaten Anschlag verbindet Maria Radutu mit traumwandlerischer Leichtigkeit all die damit aufkommenden Spannungen und Unterschiedlichkeiten. Unter ihren wissenden Händen verwandeln sich die heterogenen Texturen in einen Sound, der befriedet, ohne oberflächlich zu harmonisieren. „An Entspannungsmusik war ich nicht interessiert“ sagt sie, „sondern daran, eine Musik aufzunehmen, die der speziellen Empfindsamkeit der Nacht gerecht wird.“ Reflektiert wird jedenfalls auch das Gefühl der Isolation des modernen, oft entwurzelten Menschen.

Maria Radutu, aufgewachsen in einem Plattenbau in Bukarest, wo sie etwa ein Viertel des rumänischen Nationalorchesters als Nachbarn hatte, wurde bald als pianistisches Wunderkind ausgemacht. Mit sechs Jahren begann sie ihre Ausbildung, mit sieben Jahren begann sie ihre Teilnahme an Wettbewerben und mit neun Jahren trat sie zum ersten Mal im Fernsehen auf. Mit vierzehn Jahren kam sie, zunächst in Begleitung ihrer Mutter nach Wien. Ab ihrem fünfzehnten Jahr lebte sie allein in der fremden Stadt. Zunächst war sie sehr isoliert. Die ersten Sonntage in Wien waren besonders schlimm. „Ich ging auf die Straßen und sie waren leer. Das war mir unbegreiflich. In Bukarest flanieren die Menschen sonntags durch die Straßen. In der Wohnung war es auch nicht gerade unterhaltsam. Da gab es kein Fernsehen, kein Radio, nicht einmal einen CD-Player. Computer oder Internet sowieso nicht.“ Mit dem Bedrohlichen wuchs allerdings auch das Rettende. „Das Angebot an Konzerten entschädigte mich. Diesbezüglich fühlte ich mich wie im Schlaraffenland. Ein Art Schock erlitt ich allerdings, als ich in ein ausverkauftes Brendel-Konzert nicht reinkam, obwohl ich das Geld dafür mit hatte. Man verweigerte mir den Eintritt, weil ich formal keine Karte hatte. In Bukarest kommt man auch in ausverkaufte Konzerte rein, da sitzt man dann halt irgendwo am Boden. Es war unbegreiflich für mich, da nicht hineinzukommen. Ich bin weinend nach Hause gelaufen.“

Die mittlerweile verinnerlichten Mentalitätsunterschiede zwischen Ost- und Mitteleuropa sind nur oberflächlich harmonisiert. Die Ekstasen von Mystik, Poesie und vor allem Musik lassen die alte Gräben oft effektvoll aufbrechen. Und so ist Radutus Spiel meist von vager Sehnsucht durchtränkt, die auf Rumänisch „dor“ heißt. Bevor sie sich allerdings dem ohnehin eher geringen Interpretationsspielraum hingibt, der in der Klassik möglich ist, studiert sie die Bedingungen unter denen eine Komposition entstanden ist, äußerst genau. „Ich lese viel Sittengeschichte. Nur dann kann man verstehen, wie es sich damals angefühlt haben könnte, ein Liebeslied zu schreiben. Erst dann darf man die eigenen Gefühle hinein lassen.“ Virtuosität ist für sie nur Werkzeug. „Es gehört mehr als Fingerfertigkeit dazu, ein Instrument wirklich zu begreifen.“ postuliert sie. Dass Perfektion nie zu erreichen ist, damit hat sie sich abgefunden. Was sie aber treibt, ist ein inneres Feuer. „Es geht um die ewige Suche nach einem Mehr und einem Immerbesser. Zufriedenheit gibt es aber nur für kurze Momente.“ Und so hält sie sich nur zu gerne an den Sinnspruch des großen Michelangelo, der da lautet: „Die größte Gefahr besteht nicht darin, dass wir uns zu hohe Ziele setzen und scheitern, sondern darin, dass wir uns zu niedrige Ziele setzen und sie erreichen.“ © Samir H. Köck

Black Violin
Das Duo Black Violin ist in den USA zum neuen Star des so genannten Crossover aufgestiegen, einem spannenden Grenzgang zwischen klassischer und moderner Pop-Musik. In ihrem Fall wird der Crossover aufgeladen durch eine mutige Verbindung von Violine und Viola mit kräftigen HipHop-Beats und dem Feeling alter Soulmusik. Mit ihrem dritten, Ende 2015 veröffentlichten Album „Stereotypes“ haben die beiden ausgebildeten Klassik-Musiker Will Baptiste (Viola) und Kev Marcus (Violine) in den USA Star-Status erreicht: Das Album stieg bis an die Spitze der Klassik- und Crossover-Billboard Charts sowie bis auf Platz 5 der R'n'B-Charts. Am 29. Mai 2016 erscheint nun das Album in Europa und Black Violin kommen für ein exklusives Österreich-Konzert ins Porgy&Bess. (Pressetext)

Wilner ‚Wil B’ Baptiste (viola) and Kevin ‚Kev’ Marcus Sylvester (violin) are Black Violin, a duo who radically fuse hip-hop and pop with classical music to create a kaleidoscope of sounds uniquely their own. Classically trained musicians, they have opened for such diverse top names in music as Kanye West, 50 Cent, Aerosmith and Tom Petty, and also creatively collaborated with the likes of Wu-Tang Clan, Linkin Park, Wyclef Jean and Alicia Keys, the latter for the Billboard Music Awards. Set for release on September 18 on Universal Music Classics, their major label debut was produced by Eli Wolf (The Roots & Elvis Costello, Norah Jones).
Maria Radutu 'Insomnia'
Maria Radutu: piano
Klemens Sander: baritone
Laurenz Sartena: alt
Clemens Salesny: saxophone
Catalin Orezeanu: visuals

Black Violin
Wilner ‚Wil B’ Baptiste: viola
Kevin ‚Kev’ Marcus Sylvester: violin
DJ SPS: turntables
Nat Stokes: drums


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