Pop / Rock

The Sisters Of Mercy


Düsternis deluxe: Andrew Eldritch, "Godfather of Goth" wider Willen, bittet zum Sensations-Gastspiel seiner seit den 80ern eine ganze Jugendkultur prägenden Band.

Wider Willen trägt er den Titel "Godfather of Goth". Und dennoch dominiert Andrew Eldritch, ikonengleich verehrter Vorstand dieser aus dem britischen Post-Punk der späten 70er hervorgegangenen Institution, mit "Temple Of Love", "This Corrosion", "Lucretia My Reflection" und einem Sarg voll weiterer Düsterhymnen bis heute die Playlists in den Darkwave-Discos. Es missfällt nämlich dem Meister, ihn und seine stramm geführten Sisters Of Mercy auf die ihnen zugeschriebene Rolle als Pioniere des Goth-Rock zu reduzieren. Zitat: "Ich bin ständig mit Leuten aus der Pop-Kultur konfrontiert, die weit mehr 'goth' sind als wir. Aber ich brauche nur schwarze Socken zu tragen und schon bin ich der größte Dämon aller Zeiten."

In der Tat ist das Ouevre der Band nicht ganz so eindimensional, wie manche Kritiker (die dann insgeheim eh oft Sisters-Fans sind) gern bemängeln. Da waren die rumpelnden Anfänge mit der ersten Single "The Damage Done", die ihnen 1980 Airplay in John Peels legendärer BBC Show verschaffte, oder auch die nicht gänzlich humorfreien Covers von Abba ("Gimme Gimme Gimme") und Hot Chocolate ("Emma"). Auch der bis heute nur 3 Alben umfassende Katalog der Band zeigt doch so etwas wie einen Entwicklungspfad: vom dunkel rockenden, komplett füllerfreien Klassiker "First And Last And Always" (1985) zum hymnischen "Floodland" (1987) bis zum schwermetallischen "Vision Thing" (1990).

In welcher Phase ihrer mitunter turbulenten, von ständigen Personalfreisetzungen und Plattenfirmenquerelen begleiteten Karriere sich The Sisters Of Mercy auch immer befinden, es folgt ihnen - ähnlich wie Depeche Mode - stets eine Riesenschar devoter Fans, die jedem Bootleg nachjagen und zu ihren Shows von weit her anreisen. Dazu kommen die zahl- und meist fruchtlosen Kopierversuche jüngerer Bands, sich am Original abzuarbeiten. Bis heute hat sich am Sisters-Kult - und hier ist das Wort Kult wirklich angebracht - nichts verändert. Und das obwohl seit nunmehr 24 Jahren trotz immer wieder aufkeimender Gerüchte kein neues Album mehr produziert wurde.

Umso gespannter blicken die Fans bei den raren Konzerten von The Sisters Of Mercy auf die Setlist des Abends, denn darauf finden sich neben Hits und Raritäten immer wieder auch neue, unveröffentlichte Songs (die z.B. drüben bei sisterswiki.org akribisch protokolliert werden). Darauf darf auch in Linz gehofft werden.

Die Nebelwerfer aufgetankt und in Stellung gebracht, freuen wir uns auf dieses Sensations-Gastspiel einer der stilprägendsten Bands der letzten Jahrzehnte.


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