Kunstausstellung · Fotografie Ausstellung

David Wojnarowicz & Robert Blanchon


Der Grazer Kunstverein setzt seine Hinterfragung des Konzeptes der sozialen Abstraktion fort und präsentiert die Arbeit zweier außergewöhnlicher amerikanischer Künstler.

Der Grazer Kunstverein setzt seine Hinterfragung des Konzeptes der sozialen Abstraktion fort und präsentiert die Arbeit zweier außergewöhnlicher amerikanischer Künstler, die beide in den Vereinigten Staaten Kultstatus erlangt haben, gleichzeitig aber in Europa bisher kaum wirklich anerkannt sind. In ihren Praktiken erforschen und untersuchen sie jeweils die persönliche und körperliche Beziehung zu ihrer Umwelt.

Die Arbeiten von David Wojnarowicz und Robert Blanchon reflektieren die Vereinigten Staaten in den 1980er- und während der 1990er-Jahre, als schwule und queere Agenden massiv unterdrückt und mit wachsendem Vorkommen des AIDS/HIV Virus in Frage gestellt wurden. Der poetische, gleichzeitig aber sehr direkte Ansatz der beiden AIDS-AktivistInnen repräsentiert eine Ära, die heute aufgrund der neoliberalen Ideologien, die unserer Wahrnehmung der Gesellschaft aufgezwungen werden, wieder an Bedeutung gewinnt.

David Wojnarowicz (1954–1992) war ein Maler, Fotograf, Autor, Filmemacher, Performance-Künstler und Aktivist, der in New York City in der Kunstszene der 1980er-Jahre eine wichtige Rolle spielte. Viele Arbeiten von Wojnarowicz thematisieren die Erfahrungen von Außenseitern, die auch seiner eigenen Geschichte entnommen sind. Gegen Ende der 1970er-Jahre fing er, so meint er selbst, damit an, „Ideen davon zu entwickeln, wie eine authentische Version von Geschichte in Form von Bildern/Schriften/Objekten erstellt und bewahrt werden kann, die vom Staat unterstützte Formen der ,Geschichte‘ widerlegt.“

Als Mitglied der ersten Welle der KünstlerInnen aus dem East Village begann Wojnarowicz damit, seine Arbeit in den frühen 1980er-Jahren in solch inzwischen legendären Veranstaltungsräumen wie dem Civilian Warfare, Club 57, Gracie Mansion, Fashion Moda sowie der Limbo Lounge zu zeigen. Durch seine Teilnahme an der Whitney Bienniale von 1985 wurde er bekannt und präsentierte seine Arbeit bald in zahlreichen Ausstellungen in Museen und Galerien in den gesamten Vereinigten Staaten, in Europa und in Lateinamerika. In den späten 1980er-Jahren, nach seiner AIDS-Diagnose, wurde Wojnarowicz’ Kunst zunehmend politisch, und so war er rasch in hoch politische Debatten über medizinische Forschung und Förderungen, über Moralität und Zensur in der Kunst und über Rechtsansprüche von KünstlerInnen verwickelt.

Wojnarowicz’ urbane Erfahrung in New York, von seinem jugendlichen Dasein als Stricher am Times Square bis zu seinem Erwachsenenleben als Herumwandernder in aufgelassenen Warenhäusern an den Piers des Hudson widerspricht dem Begriff des Urbanen als dem A und O der queeren Community und des queeren Stiles. Die amerikanische Theoretikerin Kath Weston meint, das Urbane sei im Gegensatz zum Ländlichen als Ort von Gewalt und Bedrohungen für queere oder schwule Subjekte konstruiert worden. Sie sagt, „Von Anfang an war die schwule Bilderwelt in ähnlicher Weise verräumlicht wie die Nation territorialisiert ist. Das Ergebnis ist eine sexuelle Geografie, bei der die Stadt den Inbegriff von Toleranz und schwuler Gemeinschaft darstellt, das Land aber zu einem Schauplatz von Verfolgung und der Abwesenheit von Schwulsein wird.“

The Members Library:
Alexander Apóstol, Heman Chong, Jasper Coppes, Agnieszka Kurant


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