Oper · Tanz

The Hot Box Girls


Zu Beginn der Aufführung tritt ein Mitglied der Truppe vor und sagt drei Worte: Mysterium. Eleganz. Verführung. Drei einfache Worte – aber fassen sie nicht das Wesen dessen zusammen, was Oper die Jahrhunderte hindurch ausmacht? Und ganz bestimmt charakterisieren sie diese Show.

Jede Reserve, die Sie bisher gegenüber dieser Kunstform gehabt haben mögen, wird sich vor Ihren Augen auflösen. Sei es die ungewöhnliche Art der Präsentation oder die faszinierende Bühnenpräsenz der Ausführenden – man kann nicht lange gleichgültig bleiben. Man wird mit hineingezogen, wenn nicht gleich von Beginn an, dann spätestens, sobald – ungefähr in der Mitte der Show – zu den Klängen von Johann Strauß’ Champagnerlied die Sängerinnen ins Publikum ausschwärmen.
Man mag mitunter verwirrt sein oder sogar schockiert, wenn man sieht, wie einige der sakrosankten Perlen des Opernrepertoires scheinbar zu einer Art Soundtrack für eine Striptease-Show degradiert werden. Aber zeigen uns die luxuriösen Kleidungsstücke, die eines nach dem anderen aufgeknöpft und beiläufig auf den Boden geworfen werden, nicht innerhalb von fünf Minuten die ganze Geschichte der Kostümbildnerei von barockem Pomp bis zu der Nacktheit, die in heutigen Theateraufführungen zu einer solchen Selbstverständlichkeit geworden ist? Wir können die Zeit „ohne Wiederkehr entfliehen“ sehen, wie es in Offenbachs Barcarole heißt. Nur die Musik bleibt, entblößt von allem Zeremoniellen, Konventionellen, Ephemeren: die „nackte“ Musik. Und plötzlich erscheinen diese bis zur Abgedroschenheit vertrauten Melodien in einem neuen Licht, werden aufs neue interessant.
Die Choreographie fügt der Musik eine überraschende Dimension hinzu. Wer ist dieses mysteriöse Wesen mit purpurnen Flügeln, das die ganze Barcarole lang über die Bühne schwebt? Ein übernatürlicher Schwan, der die Liebenden auf ihrer magischen Bootsfahrt begleitet? Der „glühende Zephyr“, der im Liedtext beschworen wird? Der Genius der Liebe oder der Geist der „Décadence“? Vignette Coquette bieten keine Richtlinien an. Sie
nehmen das Publikum mit auf eine grenzenlose Reise ohne vorgegebenes Ziel. Lassen Sie ihren Bewusstseinsstrom frei fließen. Erforschen Sie Ihren Ästhetizismus, spüren Sie Ihrem Voyeurismus nach, hinterfragen Sie Ihre Vorstellungen von „Hochkultur“. Sinnieren Sie über die Veränderungen des Geschlechterbegriffes im Laufe der Jahrhunderte, über gesellschaftliche Rollen und gesellschaftliche Regeln. Lassen Sie sich verleiten, verlieben Sie sich. Sinnieren Sie und lassen Sie Ihre Sinne sich amüsieren. Oder schließen Sie einfach die Augen und hören Sie auf die Stimmen. Sie sind glänzend. Fühlen Sie den Wechsel der Stimmungen, wenn jede Nummer ihre eigene Atmosphäre schafft. Lassen Sie sich mitreißen von einer üppigen Legatolinie oder einem Augenblick von witzig-frechem Gesang... und dann öffnen Sie die Augen wieder und sehen Sie, wie die Priesterin, geschmückt mit blauen Juwelen, ein glitzendes Kleid hinter ihrem anmutigen entblößten Rücken nachschleppend, nachdenklich die Bühne verlässt, während die letzten Akkorde einer Händelarie in die Stille hinübergleiten.

Mit anderen Worten: Lassen Sie sich mysteriös und elegant verführen. (Pressetext)

The Hot Box Girls:
Jessica DoRight, Dixie DeLight,Trixie La Fée, Sean D'Leer and Ladybird Finch
Chanda VanderHart: piano


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