Jazz

Terence Blanchard


Introvertiert und mit verhangenem oft auch ekstatischem Ton hat Blanchard seine Spur im wiederentdeckten verfeinerten Hardbop der Postmoderne und in der kultivierten Solistik der neuen Trompeter gezogen.

Er ist keine Eintagsfliege und seine Musik ist es auch nicht: Seit er als 18-Jähriger mit dem Lionel Hampton Orchestra auf der Bühne debütierte und er 1982 als 20-Jähriger den nur wenig älteren Trompeter Wynton Marsalis bei Art Blakey’s Jazz Messengers ablöste, ist Terence Blanchard nicht mehr aus der amerikanischen Jazz-Szene wegzudenken.

Geprägt vom Hardbop, den er bei Art Blakey atmete, hat er bis heute etliche Alben veröffentlicht und Film-Musiken geschrieben, die im Gedächtnis hängen geblieben sind. Der Regisseur Spike Lee arbeitet seit mehr als zwei Jahrzehnten regelmäßig mit ihm zusammen. So war Blanchard als Trompeter auf den Soundtracks zu "Do The Right Thing" und "Mo' Better Blues" zu hören, später trat er auch als Komponist für Spike Lees Filme in Erscheinung. Opulente Kino-Werke wie "Malcolm X" sind genauso sein Metier wie Dokumentarfilme. So steuerte Blanchard die Musik zu "When The Levees Broke" bei, Lees TV-Dokumentation über die Hurrikan-Katastrophe, die New Orleans 2005 heimsuchte.

Als Sohn der Stadt New Orleans ist Terence Blanchard genauso sehr im Jazz verwurzelt wie die Familie Marsalis. Nicht nur, dass er bei Ellis Marsalis, dem Vater von Wynton und Branford, Musikunterricht hatte, auch leitete er zu Anfang seiner Karriere mit dem Saxofonisten Donald Harrison, ebenfalls in New Orleans geboren und aufgewachsen, ein erfolgreiches Quintett. Der Sound aus Blanchards Horn ist gleißend, die von seiner Musik heraufbeschworene Atmosphäre ist mal düster-tiefgründig, mal fragmentarisch-nervös oder psychedelisch-halluzinierend. Seine Songs grooven, mäandern oder tropfen zärtlich aus seinem Horn, je nachdem, welche imaginäre Film-Sequenz Terence Blanchard nun heraufbeschwört.

Blanchards Quintett-Formation ruht auf einem soliden Fundament. Seit gut zehn Jahren ist zum einen der Saxofonist Brice Winston dabei, mit dem zusammen der Trompeter viele Melodie-Linien wie einen dicht verwobenen Klang-Teppich klingen lässt, zum anderen der Schlagzeuger Kendrick Scott, dessen komplexes Rhythmus-Spiel die musikalische Szenerie mit viel Drive befeuert. Der 29-jährige kubanische Pianist Fabian Almazan ist seit vier Jahren dabei, jüngstes Mitglied des Quintetts ist der erst 21-jährige Bassist Joshua Crumbley. Sie alle haben für "Magnetic" Stücke geschrieben und erweitern damit das musikalische Spektrum, das uns Blanchard nun serviert. Gäste auf seinem Blue Note-Album sind die Jazz-Legende Ron Carter am Bass, der Gitarrist Lionel Loueke und der Saxofonist Ravi Coltrane. Blanchard ist kein Jazz-Purist, lässt er doch das Spiel mit elektronischer Klang-Verfremdung neben den rein akustischen Sounds stehen. Das ist bei ihm kein Widerspruch, sondern magnetische Anziehungskraft: "Magnetic" eben. (Sarah Seidel über die CD "Magnetic")

Terence Blanchard: trumpet
Brice Winston:tenor saxophone
Lionel Loueke: guitar
Fabian Almazan: piano
Joshua Crumbly: bass
Kendrick Scott: drums

http://www.terenceblanchard.com/


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