Vortrag · Literatur

Symposium Teil 3 - Literarische Trends und Innovatives im digitalen Feld


Welche Entwicklungen sind für andere Sprachräume relevant, lässt sich ein literarischer Trend in den einzelnen Ländern ausmachen?

Die Überraschung war einhellig. Schon bei der Nomination der Shortlist für den Preis der Leipziger Buchmesse wunderten sich viele: ein Lyriktitel unter den besten fünf Büchern des Jahres? Nun hat exakt dieses Exotikum den Preis zuerkannt erhalten.

Alle Kommentare waren sich darin einig, dass Jan Wagner mit Recht für seinen Gedichtband „Regentonnenvariationen“ ausgezeichnet worden ist. Umso eigenartiger mutet die damit verbundene Verblüffung an. Sie kulminiert gewissermaßen in einer Bemerkung auf der Webseite des Schweizer Fernsehens: „Grundsätzlich sind alle Genres zugelassen – aber dass die Jury einen Gedicht-Band aus den über 400 eingereichten Werken ausgezeichnet hat, spricht entweder gegen die anderen Texte – oder eben sehr für Jan Wagner.“

Die Formulierungen lassen tief blicken, sie rühren an Grundsätzliches. Woher kommt der Gedanke, dass ein Preis an einen Lyrikband fast zwingend ein Argument gegen die Qualität von Romanen sein muss? Dass Auszeichnungen im Prinzip die Gattung Roman favorisieren? Wie eine Übersicht über die
Buchpreise der letzten Jahre unschwer zeigt, misst sich moderne Literatur am Roman (am liebsten mit einem Umfang von etwa 300 Seiten). Allenfalls finden Erzählbände hin und wieder die Gunst einer Jury. Romane werden verlegt, ausgezeichnet, gekauft und gelesen. Sie repräsentieren daher das ökonomische Ideal der modernen Literatur.

Poesie und Epos waren mal, Theater ist etwas anderes.
Beat Mazenauer, Literaturkritiker, Projektleiter von LiteraturSchweiz

„Online-first” war ein Schlagwort in der Zeitungswelt. Kommt es nun auch im
Buchmarkt an?

Anklagend stehen im Bücherregal die nie (zu Ende) gelesenen Werke, Ulysses und Moby Dick, Büchners Lenz und Tellkamps Turm. Aber bei diesen Titeln, die so manchem Käufer auch in erster Linie als Bildungsbürgertapete dienen mögen, weiß in der Regel nur der Besitzer, ob und wie weit er sie gesehen hat. In der schönen, oder eben manchmal auch erschreckenden neuen digitalen Welt ändert sich das.

Das Wissen um nicht (zu Ende) gelesene Bücher reichern hier die Distributoren von ebooks an,
wie man jüngst im Guardian nachlesen konnte. Die Daten von rund 21 Millionen ebook-Lesern aus Kanada, den USA, Großbritannien, Frankreich, Italien und den Niederlanden hat Kobo zwischen Januar und November 2014 ausgewertet und dabei interessante Ergebnisse zu Tage gefördert. So gibt es zum Beispiel keine einzige Übereinstimmung zwischen den Top 10 der Kobo-ebook Bestsellerliste und den Top 10 der tatsächlich zu Ende gelesenen Titel. Auch regionalspezifische Unterschiede zeigen sich: Engländer lesen am ehesten Liebesromane bis zum Schluss (61 Prozent),
ebenso wie Italiener (74 Prozent), Franzosen dagegen Mysteries (70 Prozent).
Dirk Rumberg, Unternehmensberater und Literaturagent

Programm:

09:00, Schloss zu Spitz
Einlass und Registrierung

09:30, Schloss zu Spitz Renaissancesaal
Literarische Trends in Europa
Einleitung und Moderation: Rosie Goldsmith (London)
Diskussionsrunde mit Christian Gasser (Luzern), Eva Karadi (Budapest), Rainer Moritz (Hamburg), Jürgen Ritte (Paris)

11:00
Kaffeepause

11:30, Schloss zu Spitz Renaissancesaal
Innovatives im digitalen Feld
Einleitung und Moderation: Dirk Rumberg (München)
Diskussionsrunde mit László Szabolcs (Budapest), Beat Mazenauer (Lucerne), Renata Zamida (Ljubljana)

13:30, Schloss zu Spitz Keller
Mittagessen

15:15, Transfer Spitz Krems
Treffpunkt: Hotel-Restaurant Wachauerhof, Hauptstr. 15

16:00, Kino im Kesselhaus Krems
Film: Stein der Geduld (F/D 2012, Regie: Atiq Rahimi)
Anschließend Autorengespräch mit Atiq Rahimi (Paris) und Iman Humaydan (Paris).

18:30
Transfer Krems Spitz
Treffpunkt: Bushaltestelle vor ARTE Hotel Krems, Dr.-Karl-Dorrek-Straße 23

19:00, Schloss zu Spitz Keller
Abendessen


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