Sylvia Eckermann - Digital Monsters Don't Bleed


In gesellschaftlichen Umschichtungsparadigmen und einer damit verbundenen Emergenz von innovativen Denk- und Handlungsformen siedelt Sylvia Eckermann ihr Projekt Digital Monsters Don`t Bleed an.

Unter einem Algorithmus versteht man eine eindeutige Handlungsvorschrift zur Lösung eines Problems oder einer Klasse von Problemen, die sich aus vielen, präzise definierten Einzelschritten zusammensetzt und zur Ausführung beispielsweise in einem Computerprogramm implementiert werden kann. Algorithmen sind die bevorzugten Steuerungsmodule zeitgenössischer Lebenswirklichkeiten; effektive und gleichzeitig geheimnisvolle Quelltexte, an deren Erstellung die Elite der Informationstechnologie mitwirkt und deren Formel wie im Falle des legendären Google-Algorithmus so sorgfältig geheim gehalten wird wie das Rezept von Coca Cola. "Wir haben die Technologie der Zukunft gefunden," schrieb vor kurzem die Süddeutsche Zeitung. "Der richtige Algorithmus macht reich wie ein Goldnugget und ist mächtig wie ein Atombombe."

Der Autor Andrian Kreye bezeichnet Algorithmen als "fundamentalistische Grundsatztexte", die "eherne Regeln" schaffen würden, auf die der Normalnutzer kaum Einfluss habe. Jenseits solcher dystopischer Orwell'scher Visionen, die von vielen Beobachtern der neuen digitalen Pluriversen geteilt wird, spricht die neuere Medientheorie aber auch von einer spezifischen "Ästhetik der algorithmischen Kultur." Luciana Parisini schreibt vom "weichen Denken" (soft thought), welches dem Code eigentümlich sei und eine Ästhetik des Digitalen erzeuge, die auf eine Neufassung des Algorithmischen per se hinauslaufe. Diese "neue digitale Matrix" konfiguriert sich um einen Begriff des Algorithmus, der offen ist für radikale Kontingenz und Neuheit und paradoxerweise das Unberechenbare zum Teil seiner macht.


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