Klassik

SWR Symphonieorchester



Passion, religiös und politisch: Als Wolfgang Rihm nach seiner Lukas-Passion im Jahr 2000 um Gesangsstücke für die Karwoche gebeten wurde, wollte er "das Mönchsgewand" zunächst nicht unbedingt erneut anlegen. Dass er dem Auftrag dann doch nachkam, führte zu einer viel beachteten Uraufführung im Vatikan. 400 Jahre früher waren für Carlo Gesualdo Kompositionen zur christlichen Passion noch ein häufiger und willkommener Anlass für harmonische Entrückungen gewesen. Weniger religiöses als vielmehr das politische Leiden an der (ungerechten) Welt fand Luigi Nono nach dem Zweiten Weltkrieg in den Briefen zum Tode verurteilter Widerstandskämpfer dokumentiert; er verwandelte sie in einen "schwebenden Gesang" für Stimmen und Orchester.

Interpreten:
Yeree Suh Sopran
Bettina Ranch Alt
Robin Tritschler Tenor
N. N. Sprecher
SWR Vokalensemble
Marcus Creed Choreinstudierung/Musikalische Leitung (Gesualdo und Rihm)
SWR Symphonieorchester
Peter Rundel Dirigent (Nono)

Programm:
Carlo Gesualdo
Responsoria et alia ad Officium Hebdomadae Sanctae spectantia:
Tristis est anima mea
Wolfgang Rihm
Sieben Passions-Texte für sechs Stimmen:
Motetus I [Tristis est anima mea]
Carlo Gesualdo
Responsoria et alia ad Officium Hebdomadae Sanctae spectantia:
Velum templi scissum est
Wolfgang Rihm
Sieben Passions-Texte für sechs Stimmen:
Motetus III [Velum templi scissum est]
Carlo Gesualdo
Responsoria et alia ad Officium Hebdomadae Sanctae spectantia:
Tenebrae factae sunt
Wolfgang Rihm
Sieben Passions-Texte für sechs Stimmen:
Motetus IV [Tenebrae factae sunt]
Carlo Gesualdo
Responsoria et alia ad Officium Hebdomadae Sanctae spectantia:
Caligaverunt oculi mei

Luigi Nono
Il canto sospeso für Sopran-, Alt- und Tenor-Solo, gemischten Chor und Orchester
Abschiedsbriefe zum Tode verurteilter europäischer Widerstandskämpfer

Das SWR Symphonieorchester ist hervorgegangen aus der Zusammenführung des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart des SWR und des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg im September 2016. Das SWR Symphonieorchester ist zwar noch neu, es hat aber bereits Musikgeschichte geschrieben. Die bedeutenden Traditionslinien aus den beiden Vorgänger-Ensembles kommen in ihm überein. Seit der Gründung 1945/46 formten profilierte Chefdirigenten die SWR-Orchester: In Baden-Baden/Freiburg waren es Hans Rosbaud, Ernest Bour, Michael Gielen, Sylvain Cambreling und François-Xavier Roth, in Stuttgart Hans Müller-Kray, Sergiu Celibidache, Sir Neville Marriner, Gianluigi Gelmetti, Georges Prêtre, Sir Roger Norrington und Stéphane Denève.

Zum Profil des SWR Symphonieorchesters gehören neben der Neuen Musik die sinfonische Orchesterliteratur vorangegangener Epochen sowie Interpretationsansätze aus der historisch informierten Aufführungspraxis. Die Vermittlung anspruchsvoller Musik an alle Altersstufen ist ebenfalls ein wichtiges Anliegen.

Dirigenten von Weltrang wie Christoph Eschenbach, Herbert Blomstedt, David Zinman, Peter Eötvös, Sir Roger Norrington, Ingo Metzmacher, Kent Nagano, Eliahu Inbal, Michael Sanderling, Jakub Hrůša und Omer Meir Wellber sind beim SWR Symphonieorchester zu Gast. Unter den hochkarätigen Solisten finden sich u. a. als "Artists in Residence" der ersten drei Spielzeiten Gil Shaham, Tzimon Barto und Antoine Tamestit sowie viele weitere Gast-Solisten, darunter Hilary Hahn, Fazil Say, Julia Fischer, Mischa Maisky, Patricia Kopatchinskaja, Martin Grubinger, Renaud Capuçon und Janine Jansen.

Neben zahlreichen Auftritten in den SWR-eigenen Konzertreihen in Stuttgart, Freiburg und Mannheim ist das SWR Symphonieorchester bei den Donaueschinger Musiktagen und den Schwetzinger Festspielen präsent. Einladungen führten bzw. führen das SWR Symphonieorchester u. a. nach Wien, London, Salzburg, Madrid, München, Edinburgh, Barcelona, Dortmund, Warschau, Essen, Basel, Frankfurt und Tallinn, wiederholt in die Elbphilharmonie Hamburg, zum Rheingau Musik Festival, zum Heidelberger Frühling, zum Festival Acht Brücken in Köln und zum Musikfest Berlin sowie auf eine China-Tournee.