Pop / Rock

Swans + Anna von Hausswolff


Swans ist eine der einflussreichsten Bands der 1980er, war bis 1997 aktiv und hat mittlerweile Kultstatus erreicht. Der Sänger Michael Gira, der mit seinen nihilistischen Texten und seinem minimalistischen Gesang zur Ikone der No-Wave-Ära wurde, hat die Band 2010 wieder zusammengeführt

Eine derart in Sound und Ästhetik originäre Band wie die Swans zu beschreiben, kann nur ohne Vergleiche zu anderen Bands stattfinden. Immer neu und immer gleich. Seit dem Comeback 2010 ist “To Be Kind“ bereits das dritte Werk. Parallelen sind zum Vorgänger "The Seer" auszumachen, die Länge der Songs, die gewachsene, vertraute Besetzung, die sich um ein halbstündiges Monster gruppieren, die kathartische Atonalität dieser Exzesse und die selbstverständliche Integration von Gastbeiträgen. Doch verändern sich Nuancen, das Maßlose wird beibehalten, weicht aber einer ausufernden Steigerung der Intensität. Tatsächlich scheint das Ruhige mit mehr Atempausen und das Laute mit mehr Schwere ausgestattet worden zu sein. Michael Gira ist unlängst 60 geworden und man hört seiner Stimme die Jahrzehnte der Seelenschreie an, hypnotisch wirkt sein Vortrag oder angsteinflössend wie im Zwischenspiel des 35minütigen dunklen Herzstückes "Bring The Sun", wenn man Hufgetrappel vernimmt und er wilde Beschwörungen schreit. Natürlich schwingt alles in einer wüsten Kakophonie aus. Doch man hat erst die Hälfte des Albums aufgenommen: es wartet das warmherzige Duett mit St. Vincent, die Kunst der atonalen, minimalen Gitarrenpartikel von Norman Westberg, die minimalen Akkordverschiebungen und die gleißende Spannung des Openers, die 17 Minuten von "She Loves You", die eine paradoxe Endlichkeit evozieren und schlussendlich das Titelstück, das der kontemplative Soundtrack zum Zerbersten der Welt in grauer Dämmerung und Zeitlupe zu sein scheint. Im Kosmos der Swans vielleicht das stärkste, facettenreichste und intensivste Werk seit dem Comeback

2013 war "Ceremony" ein dunkel glänzendes Meisterwerk sakraler Orgelklänge, über denen das helle, beinahe feenhaft-kraftvolle Timbre der Schwedin thronte. Anna Von Hausswolff schnitzt ihre Klänge aus Kirchenorgeln und Pfeifenthronen aus dem Gebein archaischer Schönheit.

Anna unternahm für ihr neues Album “The Miraculous” eine Reise in den Norden, um die kolossale Acusticum Pipe Organ im ca. 100 km südlich des Polarkreises gelegenen Pitea zu spielen. 9000 Pfeifen hat diese Risenorgel, eingebaut in sie wurden ein Glockenspiel, ein Vibraphon, verschiedene Percussionmöglichkeiten und eine Sektion der Pfeiffen befindet sich sogar in einem Wasserbad. So wesentlich das Orgelspiel für Anna´s Stil ist, die Orgel schiebt sich nicht immer so prominent in den Vordergrund auf diesem Album mit surrealer Epik in mollhaften Drones und bebenden Klanglandschaften. Dunkel mäandert ihre schwebende Stimme, intensiv und nah wirkt die komplexe Atmosphäre, wenn pochendes Schlagzeuggrollen, Bassvibrationen, hypnotisch wogende Drones und psychedelische und progressive Gitarrenriffs hart nachhallen.
War der Vorgänger auch von lichten Pop-affinen Kronleuchtern durchzogen, fällt das Drama hier weitgefasster und unablässiger aus, bestimmt von einem Heraufbeschwören der Melancholie H.C. Andersens’ Märchen.


Vergangene Termine