Kunstausstellung

Susanne Wenger - 60 Jahre Afrika


Zu sehen sind Ölbilder, Batiken, Zeichnungen, Fotografien des Heiligen Haines und bisher noch nicht gezeigte Werke.

Nach unzähligen internationalen Berichten über TV-, Film- und Printmedien wurde Susanne Wenger, die am 4. Juli 1915 in Graz geboren wurde, als „weiße Priesterin an einem heiligen Fluss tief in Afrika“ bekannt. Aber sie war viel mehr als das, sie war eine der wichtigsten Künstlerinnen der Nachkriegszeit in Österreich und eine außergewöhnliche Künstlerin in Afrika. Wegen ihrer „entfernten“ Position, sowohl geografisch als auch thematisch, wurden nachdem sie weggezogen war, sensationelle Geschichten über ihre „exotische und geheimnisvolle“ Kunst und Fehlinterpretationen über das, was sie in Afrika als Künstlerin aus Österreich tat, veröffentlicht. Sie verstand die philosophische Botschaft, die die Götter, die Menschen und die Natur Afrikas für jeden Menschen bereithalten und so wurde eine Seite ihres komplexen Charakters schließlich ein Yoruba. Sie lebte 60 Jahre in Nigeria, meistens in dem inzwischen berühmten Steinhaus in der Ibokun Road in Oshogbo, zusammen mit ihrer „spirituellen Familie“, wo sie auch ihr Atelier hatte, und von ihren rituellen Adoptivkindern unterstützt wurde: der Hohepriesterin Adedoyin Faniyi Talabi Olosun und dem Hohepriester und Künstler Shangodare Gbadegesin Ajala. Bis zu ihrem Tod am 12. Januar 2009 in Oshogbo hat sie mutig alles verteidigt, was sie dieser nigerianischen Region und ihren Menschen gegeben hatte.

Die Heiligen Haine von Oshogbo in Nigeria und die Kunstwerke Susanne Wengers könnten gut eines der sieben Weltwunder darstellen. Es begann in den 1950er Jahren, als Susanne Wenger durch das Ifa Orakel der alten Hohepriesterin von Oshun gerufen wurde um zu helfen, den Schrein von Idi Baba, der bis zu diesem Zeitpunkt in einem traurigen Zustand des Verfalls war, wieder herzustellen. Kurze Zeit später begann sie mit der Arbeit an Ojubo Oshogbo, dem alten Haupttempel der Flussgöttin Oshun sowie dem Hauptschrein in den Hainen, der fast von Termiten zerstört worden war. Susanne Wenger errichtete Kunstwerke, riesige Zement-Skulpturen, kühn und manchmal allen architektonischen Regeln trotzend, großartige Kultschreine, Häuser und Initiationshöhlen mit endlosen Wänden, das Metaphysische darstellend, die zur „ewigen Realität“ wurden. Viele Werke entstanden in Zusammenarbeit mit einer Gruppe von Yoruba-Künstlern, Priestern und Arbeitern, die sie als "New Sacred Art" bezeichnete. Durch die Führung und die Dynamik in der Zusammenarbeit mit Susanne Wenger wurden viele Mitglieder dieser Gruppe später auch bekannte Künstler, wie Adebisi Akanji, Buraihmoh Gbadamoshi, Kasali Akangbe, Ojewale Amoo, Rabiu Abesu, Saka, Alagbede Ajibike Ogun Ni'yi, um nur einige zu nennen.

Chief Shangodare Gbadegesin Ajala wurde der Sprecher der New Sacred Art Bewegung. Adebisi Akanji war Susanne Wengers legendärer Mit-Erbauer, der an den meisten monumentalen Zementskulpturen von ihr mitarbeitete, wofür die Heiligen Haine heute berühmt sind. Ojewale Amoo war der erste, der dem Team beitrat, Saka fertigte in Handarbeit „den spirituellen Markt“ Oja Ontotoo an, während Buraihmoh Gbadamoshi und Kasali Akangbe die meisten Holz- und Steinskulpturen kreierten. Mittlerweile sind sie professionelle Bildhauer mit einem ausgezeichneten Ruf. Susanne Wengers monumentale Skulpturen und Schreine, insbesondere der Obatala Schrein, der gemeißelte Ogboni Schrein „Iledi Ontotoo“, die Statuen vom grüßenden Obatala und des für Oshun tanzenden Alajere, der Chamäleon-Zaun des Ebu Iya Mopoo, der monumentale Figuren-Schrein der Iya Mopoo, die grandiose Skulptur „Alajere Transformation“ und die himmelhohe Skulptur von Ela wurden weltberühmt. Der verlorene Haupteingang Ojubo Oshogbo, das Tor der „Fliegenden Schildkröte“ war eines ihrer Hauptwerke und wird eines Tages wieder aufgebaut werden. Fünfzig Jahre nachdem sie ihre Arbeit begann, wurden die Heiligen Haine zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Es wird an der New Sacred Art-Bewegung liegen, von Susanne Wenger aus erster Hand gegründet, ihr Erbe der sakralen Kunst in den Heiligen Hainen am Leben zu erhalten. Während all dieser Jahre hat Susanne Wenger nicht nur das Naturparadies der Heiligen Haine mit den mächtigen Bäumen entlang der unberührten Ufer des heiligen Oshun Flusses geschützt, sondern auch eines der wichtigsten spirituellen Zentren der Yoruba-Kultur.

Susanne Wenger, schon eine bekannte Künstlerin bevor sie nach Nigeria ging, war 1946 eines der Gründungsmitglieder des berühmten internationalen Art Club Wien. Von 1943 bis 1944 produzierte sie ihre ersten surrealistischen Zeichnungen nachdem sie Alpträume bekam, als die Stadt Wien, wo sie zu dieser Zeit lebte, im Zweiten Weltkrieg bombardiert wurde.[1] Diese Zeichnungen wurden für eine Gruppe junger österreichischer Künstler sehr wichtig, die später als „Wiener Schule des Phantastischen Realismus“ berühmt werden sollte.

Im Jahr 1949 reiste sie nach Italien, in die Schweiz und schließlich nach Paris, wo sie den Linguisten Ulli Beier kennen lernte und heiratete. Überraschend für ihre Freunde unter den österreichischen Künstlern war, dass sie mit ihm nach Ibadan in Nigeria ging. 1953 veröffentlichte Susanne Wenger das erste Alphabetbuch für Volksschulen in Yoruba. 1954 hatte sie noch Ausstellungen in Paris, London, Zürich und Brenda. 1955 zog Susanne Wenger mit Ulli Beier in das Dorf Ilobu, noch bevor sie nach Oshogbo gingen. Bis zum Tod des charismatischen Obatala Hohepriesters Ajagemo, den sie ihren großen Mentor nannte, kam Susanne Wenger immer noch nach Ede, um an den Obatala Ritualen teilzunehmen und den Schrein für Obatala wieder aufzubauen. In Ilobu, wo sie im Kreis mit Yorubas im Dorf lebte, begann sie, die alte Technik der Kasava-Batik, „Adire“, zu lernen. Susanne Wenger kombinierte den „kubistischen zeitgenössischen“ Stil ihrer Pariser Kunst-Erfahrungen mit den traditionellen Yoruba- Erzählmustern. Als Yoruba-Priesterin, Olorisha, initiiert, war sie umfassend von der Poesie, Mythologie und Religion der Yoruba erfüllt, ohne jemals zu leugnen, dass sie in jeder Hinsicht eine zeitgenössische Künstlerin war. Der klare transzendente Ausdruck ihrer Kunst kam vom religiösen Denken, spontan und frei, als Ausdruck ihres universalen Verständnisses von Kunst. Ein weiteres herausragendes Beispiel ihrer einzigartigen Kunst sind ihre bemalten Batiken. Von Beginn an entwickelte Susanne Wenger in ihrer Arbeit mit den riesigen Batiken ihren eigenen unverwechselbaren Stil, den sie als „spontanen Fluss“ bezeichnete. Nach 1970, als die meisten der großen Werke in den Heiligen Hainen auf Schiene waren, fühlte sie, dass sie von ihren Wurzeln als ausgebildete Künstlerin, etwas Neues schaffen wollte. Sie begann mit der Wiederbelebung ihrer Ölgemälde und schuf außergewöhnliche Werke. 1982 wurde ihr Buch „Ein Leben mit den Göttern“ veröffentlicht, das der große Kenner der afrikanischen Kunst, Gert Chesi, fotografierte. Von 1985 an kuratierte Prof. Wolfgang Denk im Namen der österreichischen Regierung monografische Ausstellungen von Susanne Wenger. Damit brachte er sie wieder nach Wien, um ihren siebzigsten Geburtstag zu feiern, gegenüber dem Platz, wo sie 40 Jahre zuvor ihr Atelier hatte. 2001 wurde sie mit dem „Silbernen Orden für Kunst und Wissenschaft“ durch die Republik Österreich und mit dem höchsten Orden der Landesregierung von Niederösterreich ausgezeichnet.


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