Klassik

Styriarte 2015


Klassische Musik ist ja angeblich eine ernste Angelegenheit. Wozu sonst würde man die U-Musik (U wie Unterhaltung) von der E-Musik (E wie Ernst) trennen? Die styriarte wird diese Trennung aufheben: Vom Lachen handelt das Festival 2015, vom Lachen in all seinen Spielarten.

Das befreiende Lachen wird da ebenso hereinklingen wie das hämische Spotten, die Narretei des Mittelalters ebenso wie die Opera buffa, die romantische Ironie ebenso wie der bittere Sarkasmus des 20. Jahrhunderts.

In der Welt von Nikolaus Harnoncourt ist das Lachen verpönt, denn immer trägt es für ihn den Keim der Bosheit in sich. Und so sind seine drei großen Produktionen sozusagen das Korrektiv in der styriarte 2015. In Stainz dirigiert Harnoncourt Haydn, den Meister des geistreichen Witzes. Freilich lässt er auf die funkensprühende Sinfonie Nr. 97 die „Paukenmesse“ folgen, Zeugnis für den tödlichen Ernst der Revolutionskriege. Als alle Schlachten dieser Kriege geschlagen waren, schrieb Ludwig van Beethoven seine „Missa solemnis“ als „Bitte um äußeren und inneren Frieden“. Harnoncourt dirigiert sie zum ersten Mal im Originalklang seines Concentus Musicus Wien – ein Mahnmal in der styriarte der Heiterkeit. Antonín Dvořáks Stimmungsumschwünge waren legendär: Urplötzlich fiel er vom Lachen ins Weinen, so wie seine Musik, die Harnoncourt mit dem Chamber Orchestra of Europe im Stefaniensaal vorstellt.

Von Dvořák ist der Weg nicht weit zum braven Soldaten Schwejk, der mit seinem widersinnigen Humor die Maschinerien der k. und k. Verwaltung aus den Angeln hebt. Ihm widmet die styriarte 2015 eine ihrer SOAPs, natürlich gepaart mit Musik von Dvořák. Die übrigen SOAP-Helden kommen im Juli 2015 aus Österreich, Ungarn und Italien: György Ligeti, Wolfgang Amadeus Mozart und Gioachino Rossini, allesamt berühmt-berüchtigt für ihren ganz eigenen Humor.

Dass Österreicher und Deutsche, Italiener und Engländer einen gänzlich anderen „Humor“ haben, ist eine Alltagserfahrung, die jeder machen kann. Bei der styriarte ist sie mit Händen zu greifen: Die Italiener kommen als Spezialisten für buffoneske Komik nach Graz, allen voran Rossini mit seinem „Barbier von Sevilla“, den Michael Hofstetter und Peer Boysen szenisch vorstellen – auf Deutsch! Schon den Grazern des Jahres 1819 ist es geglückt, Rossinis Komik in deutsche Worte zu fassen. Diese erste deutsche Übersetzung des „Barbiers“ kehrt nun in der styriarte 2015 an ihren Ursprungsort zurück. Dem Italiener Rossini antworten die Engländer mit „British Humour“, der Katalane Jordi Savall mit Musik von Tobias Hume, der Österreicher HK Gruber mit seinem „Frankenstein!!“. Lachen ist bei alldem ausdrücklich erwünscht. Und es soll ja auch gesund sein. Nicht zuletzt haben die Lacher der styriarte sozusagen biblische Legitimation, denn, so steht es in Genesis 17,17: Abraham fiel hin „… und lachte“, als er von seinem Gott erfuhr, dass er mit hundert Jahren noch ein Kind zeugen sollte. Diesem Lachen verdankt die styriarte 2015 ihr Motto und ihre Inspiration.


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