Theater

Sturm


Prosperos Insel ist ein Nirgendirgendwo, ein Reich der Phantasie: Shakespeares Theater. Prospero, vor Jahren auf einer Insel gestrandet, inszeniert dort ein Stück der Strafe, Buße und Umkehr, will die Figuren seines Lebens für ihre Verbrechen zur Verantwortung ziehen. Doch sie kommen über ihre alten Rollen, die Wiederholung vergangener Verbrechen und Intrigen, nicht hinaus. Schließlich droht Prosperos Spiel von der Bestrafung in Rache umzukippen.

Prospero, der Menschlichkeit sucht, ist in Gefahr, sie selbst zu vergessen und findet ausgerechnet durch einen Luftgeist namens Ariel die Kraft zu Gnade und Vergebung. Diese für ihn übermenschliche Anstrengung verlangt ihm alles ab. Am Schluss zerbricht er, erlöst, erleichtert, aber auch resigniert, seinen Zauberstab, der ihm die Macht gegeben hat, über Zauber und Magie zu herrschen.

In seinem letzten Stück, dem "Sturm", hat Shakespeare erstmals in seinem jahrzehntelangen Schaffen keine literarische Vorlage für seinen Text, sondern erfindet sich selbst eine Welt. In und mit Prospero schafft er eine Konstruktion, die es ihm ermöglicht, den Antagonismus von Tragödie und Komödie aufzuheben. Diese Welt ist die Insel, das Theater, ein Blick auf die Welt, nicht aber die Wirklichkeit selbst. So ist das ganze Stück auch eine Idee in Prospero-Shakespeares Kopf, ein Blatt Papier, das im Laufe des Abends, alle Herrschaftsspiele noch einmal durchlaufend, mit der Vision von einem humanen Ausgleich beschrieben wird. Das Glück der Erfüllungbeinhaltet den Verzicht auf Rache und die Erkenntnis der eigenen Unzulänglichkeit.

In der Wiener "Sturm"-Inszenierung gibt es nur drei Schauspieler. Drei zentrale Gestalten - Prospero, Ariel und Caliban - leben in Shakespeares Labor der Phantasie. Sie erfinden und durchleben Machtkämpfe, die bereits auf Becketts elementare master-servant-Konstellation verweisen. Und sie sehnen sich wie das Erdtier Caliban nach Verwandlung: um einer gelebten Liebe willen, die denkbar würde, wäre es ihm nur möglich, Prosperos schöne Tochter Miranda zu werden ...

Deutsche Fassung von Joachim Lux unter Verwendung von Shakespeare-Sonetten in der Übersetzung von Christa Schuenke

Besetzung:

Prospero
Johann Adam Oest

Caliban
Maria Happel

Ariel
Joachim Meyerhoff

Regie: Barbara Frey

Bühnenbild: Bettina Meyer

Kostüme: Bettina Munzer

Licht: Felix Dreyer

Dramaturgie: Joachim Lux


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