Literatur

Stunde der literarischen Erleuchtung: Peter Handke - Die Stunde der wahren Empfindung


Was ist es, das Keuschnig so sehr zwingt, ein Gefangener seiner Gedanken zu bleiben, ein »kleiner, verächtlicher Übeltäter«? Er streift durch den Tag wie ein Getriebener seiner ungreifbaren Ängste; ein Alptraum, in dem sich ferne Ereignisse zusammenzuballen scheinen, hört ganz und gar nicht zu wirken auf. Fast alle Versuche, Kontakt und Nähe herzustellen, sind mit Gewalt verbunden, und doch bricht manchmal gerade in diesen Augenblicken der Wunsch nach einer wirklichen Begegnung auf, nach einer »beständigeren Sehnsucht«. Keuschnig gehört zu jenen literarischen Figuren, die es einem nicht einfach machen, Sympathie zu bewahren und Verständnis aufzubringen – aber gerade darin liegt ihr Potential für die Lesenden. Denn was will er letztlich anderes als »ein Gefühl, dass man von jedem Punkt aus zu Fuß nach Hause gehen kann«?

(Andrea Winkler)


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