Diverses

Steirischer Herbst


2017 feiert der steirische herbst seine 50. Ausgabe. Aus diesem Grund gibt es über den gesamten Festivalzeitraum verstreut eigene Jubiläumsprojekte.

Die im Zeichen des Jubiläums stehende 50. Ausgabe des Festivals wird zur Bestandsaufnahme genutzt und um grundsätzliche Fragen zur Selbstverortung von Kunst und Gesellschaft zu stellen: Wo stehen wir eigentlich? Was hat zu dieser Gegenwart geführt? Und mit welchen Mitteln wollen wir unseren Platz in der Welt und die Wege, die wir zukünftig einschlagen, überhaupt bestimmen? Oder: „Where Are We Now?”

„,Where Are We Now?´ – ein später Song von David Bowie und eine Frage, die mich seit vielen Jahren permanent begleitet, quasi ein Arbeitsinstrument. Man kann diese Frage nicht stellen, ohne sich Gedanken darüber zu machen, was hinter uns liegt und wie wir an diesem Punkt gelandet sind – oder wie es denn weitergehen könnte, künstlerisch und politisch”, so die Intendantin Veronica Kaup-Hasler zum diesjährigen Leitmotiv.

Eröffnung Steirischer Herbst 2017

Eröffnet wird am 22. September mit einem Abend, den die dänische Chroeografin Mette Ingvartsen mit ihrer Uraufführung „to come (extended)” gestaltet. Das Festivalzentrum, Herzstück des 50. steirischen herbst, befindet sich heuer im Palais Attems, von wo aus das Festival seit 1985 konzipiert, geplant und geleitet wird. Zwischen Palais und Mursteg baut die Grazer Architektengruppe Studio Magic ihre raumgreifende Installation „Transegrity” auf. Der Innenhof wird mit einer temporären Überdachung des Architekten Thomas Herzig zum zentralen Veranstaltungsort.

Für dreieinhalb Wochen werden hier Performances und Installationen zu erleben sein – von Yoko Shimizu, Isabel Lewis, J&J, Augustin Rebetez und Louis Jucker, Begüm Erciyas, Benjamin Verdonck, Jaha Koo und vielen anderen – genauso wie die Konzertreihe Soundtracks, die Acts wie die südarfrikanische Rapperin Dope Saint Jude oder den deutschen Pianisten Hauschka erstmals live in Österreich präsentiert.

Programmpunkte

In die Prunkräume des Palais Attems lädt der in Beirut geborene Künstler Walid Raad, der hier seinen weltumspannenden Arbeitszyklus über islamische Kunst, den Ersten Weltkrieg und die neuen Infrastrukturen für Kunst in der arabischen Welt präsentiert: „Kicking the Dead”. Am 3. Festivalwochenende werden in der Philosophierkantine „Where Are We Now” im geselligen Rahmen Performances und Vorträge serviert, die das Leitmotiv für die Diskussion öffnen. Mit Heidi Ballett, Tim Etchells, Walter Mignolo, Marcus Steinweg und anderen.

Am Samstag und Sonntag des bevorstehenden Eröffnungswochenendes gibt es den traditionellen Reigen der Ausstellungseröffnungen. Die diesjährige herbst-Ausstellung „Prometheus Unbound” ist in der Neuen Galerie angesiedelt. In der von Luigi Fassi kuratierten Schau reflektieren Künstlerinnen und Künstler über diesen „Kulturbringer”, der als Urheber der Zivilisation gilt. Im GrazMuseum wird die große Jubiläumsschau „Diese Wildnis hat Kultur – 50 x steirischer herbst”, gezeigt, die die reiche Festivalgeschichte Revue passieren lässt.

Ganz in der Nähe, im Dom im Berg, präsentiert Simon Mayer am Samstag und Sonntag sein neuestes Werk „Oh Magic”. Im Laufe der kommenden Wochen sind ebenfalls neue Arbeiten von Florentina Holzinger („Apollon Musagète”), der kapverdischen Choreografin Marlene Monteiro Freitas („Bacchae – Prelude to a Purge”) und eine Uraufführung des chinesischen Multitalents Tianzhuo Chen („An Atypical Brain Damage”) auf den Bühnen in Graz zu erleben. Die slowenische EnKnapGroup zeigt außerdem „Pursuit of Happiness”, eine rasante Westernrevue, die mit Nature Theater of Oklahoma entstand und das Grazer Theater im Bahnhof trifft auf die schwedische Regisseurin Gunilla Heilborn – gemeinsam begeben sie sich auf die Suche nach verschiedenen Formen des Erinnerns: „The Wonderful and the Ordinary”.

Zusammen mit dem Literaturhaus Graz wird am Sonntag des Eröffnungswochenendes, 24/09 um 11.00, zu einer Matinee ins Festivalzentrum geladen: „Wir Kinder der Toten” ist die Vorhut zur zentralen Großproduktion dieses steirischen herbst, die am 30. September in Neuberg an der Mürz ihren Auftakt erlebt: „Die Kinder der Toten”. Das Nature Theater of Oklahoma wagt das Unmögliche, eine Verfilmung von Elfriede Jelineks gleichnamigen Roman an den Originalschauplätzen. Die Dreharbeiten zu der sehr freien filmischen Adaption dieses Gespensterromans, in dem die Nobelpreisträgerin sprachgewaltig mit untoten Österreich-Klischees und nationalem Pathos aufräumt, sind gleichzeitig eine Live-Performance. Das Publikum kann zusehen, und vor allem: teilnehmen!

Begleitet wird das Projekt von einem umfangreichen Rahmenprogramm, darunter eine 144-stündige öffentliche Lesung („Tosende Stille”) sowie Wanderungen und Führungen zu realen Orten des Romans.

Die Bestandsaufnahme, die der steirische herbst heuer vornimmt, spiegelt sich auch in drei bereits präsentierten Veröffentlichungen wider: Das Archiv des steirischen herbst ist ab sofort als Online-Datenbank zugänglich, das „herbstbuch 1968-2017” lässt die bisherige Geschichte des Festivals Revue passieren und der Band „Where Are We Now?” versammelt Beiträge von 50 Kunst- und Theorieschaffenden, deren Arbeiten den steirischen herbst im vergangenen Jahrzehnt geprägt haben.

Weiters wurde das Magazin zum Festival präsentiert: „herbst. Theorie zur Praxis”, das Portraits, Arbeiten und Interviews von und mit Künstlerinnen und Künstlern des Festivals versammelt, darunter das erste Interview, das Elfriede Jelinek seit Jahren gegeben hat. Sie erhalten das Magazin in den nächsten Tagen auf dem Postweg.

Das gesamte Programm mit allen Details gibt es online.


Pressestimmen


Vergangene Termine