Theater

stART 2016 - Kerberos Score – ein inszeniertes Konzert


Mit Uraufführungen von Werner Raditschnig und Alexander Bauer. Gast: Gero Koenig. Es spielt das oenm.

Das Sterben beschreibt den letzten Abschnitt der Existenz eines Individuums, welches sein ganzes Leben lang versucht, das Sterben zu verhindern. Der Antrieb des Überlebens ist eine starke innere Kraft, die wir nicht immer verstehen, die uns aber zweifelsfrei immerzu antreibt und begleitet. Dieser Überlebenstrieb versucht uns so lange wie möglich vor dem Sterben zu bewahren, vor diesem letzten Abschnitt, der unausweichlich ist und der mit dem Tod endet.
Wann dieser Prozess beginnt, ist nicht genau festzustellen. Die körperliche und geistige Entwicklung eines Menschen ist nicht immer in einem gemeinsamen Rhythmus getaktet.
Der menschliche Organismus trägt die Komplexität der Selbstbestimmung in sich. Wir sind in der Lage viele Funktionen unseres Körpers zu steuern, gerade dort, wo der Intellekt oder der Instinkt den Willen an unseren Organismus weitergibt. Die Selbstbestimmung des Körpers endet aber bei der elementarsten Funktion, dem Schlag des Herzens. Es schlägt so lange es kann, dann stoppt es – ohne unseren Willen zu befolgen, an einem oder anderen Tag. So, wie es ohne unser Zutun ein Leben lang geschlagen hat, beendet es diese Funktion. Nach und nach enden auch alle weiteren Funktionen in unserem Körper.
Das Sterben ist ein Prozess, in dem die unterschiedlichen Energien des Lebens zum Stillstand kommen. Der Stillstand ist der Endpunkt des Sterbens, der in unterschiedlicher Geschwindigkeit und mit unterschiedlicher Intensität erreicht wird, ein polyrhythmischer Weg zur Stille.

Die stART Produktion 2016 beschäftigt sich mit dem akustischen Weg hin zum Stillstand. Ausgehend von einer angenommenen vollständigen Funktionalität haben zwei Komponisten Versuchsanordnungen konzipiert, welchen kontinuierlich der Antrieb – also die immer wiederkehrende Beschleunigung – entzogen wird. Dieser Prozess hin zur Stille ist nicht gleichförmig, sondern kann unterschiedliche akustische Positionen einnehmen. Die langsam ausklingenden und ausschwingenden rhythmischen Strukturen eines Organismus werden musikalisch neu interpretiert.


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