Pop / Rock

St. Vincent / Fiva / Clara Luzia / Coves


St. Vincent | Als Mitglied von Sufjan Stevens' Band oder bei Polyphonic Spree war die Multi-Instrumentalistin Annie Clark schon weltweit auf den großen Bühnen unterwegs. Als sie 2007 unter dem Künstlernamen St. Vincent ihr Debüt "Marry Me" veröffentlichte, war sie dann auch als Frontfrau ihres eigenen Projekts fleißig unterwegs.

Ihr bislang letztes Solo-Album "Strange Mercy", das die New York Times 2011 "eines der besten des Jahres" nannte, zementierte ihren Status als eine der furchtlosesten und erfinderischsten Gitarristinnen ihrer Generation. 2012 tat sich Annie Clark mit David Byrne zusammen. Ihr gemeinsames Album "Love This Giant" wurde ein weiterer gigantischer Kritikererfolg.

Mit den elf Songs ihres Anfang 2014 erschienenen, selbstbetitelten vierten Albums, auf denen sie aggressiv verzerrte Gitarren, ätherische Vocals und Synthie-Arrangements mit einer mitreißenden Rhythmusgruppe und einem gnadenlosen Percussion-Gewitter kombiniert, präsentiert sich Annie Clark so kühn und zwingend wie nie.

"Ich wusste, der Groove muss absolute Priorität haben", sagt Clark über das Album, dessen Arrangements und Demos in Austin entstanden, bevor sie für die Aufnahmen nach Dallas ins Studio ging. Sie engagierte Homer Steinweiss von den Dap-Kings und mit McKenzie Smith von Midlake einen alten Bekannten als Schlagzeuger und gab die Produktion erneut in die Hände von John Congleton, um das klangliche Potenzial, dass sie auf "Strange Mercy" gerade erst ausgelotet hatte, in bisher völlig unerschlossenes Gelände zu überführen. "Mein Ziel war eine Party-Platte, die man auch auf einer Beerdigung spielen konnte."

Das Ergebnis ist packender, als alles, was St. Vincent bislang gemacht hat. "Bring me your love" etwa ist ein wilder Wahnsinnstripp, aber selbst weniger wilde Nummern wie "Severed Crossed Fingers" sind in ihrer surrealen Schönheit unzweifelhaft als ihre zu erkennen. Den Kern ihrer Musik bestimmen aber auch weiterhin existenzielle Fragen, etwa, was es heißt, ein Mensch zu sein und danach, wie wir versuchen, unserem Leben einen Sinn zu geben.

Fiva | Das Gute liegt so nah. Oder auch 3 Stunden und 56 Minuten entfernt. Das ist zumindest exakt die Distanz, die Fiva in den letzten sechs Monaten unzählige Male zwischen München und ihrer Immer-wieder-mal-Heimat Wien zurückgelegt hat. Ihr fünftes Studioalbum entstand in Zusammenarbeit mit dem Wiener Musiker-Trio Herbert Pirker, Stephan Kondert und Philipp Nykrin. Die klassische Schlagzeug/Bass/Piano-Besetzung der nach dem Ort ihres ersten Treffens benannten Herren Wallenstein ist in die Produktion des neuen Albums eingeflossen - wiewohl es da auch jede Menge andere Klänge zu hören gibt.

Das Fundament der Instrumentals hat die tighte Groove-Einheit gemeinsam eingespielt, was in Kombination mit Fivas unbestreitbarem Improvisationstalent jetzt schon für ordentlich Vorfreude auf kommende Live-Shows sorgen sollte! Textlich übt sich Fiva in der großen Kunst, die kleinen Momente zu beobachten. Vor allem das Schlachtfeld Alltag und seine Nebenschauplätze werden von Fiva in ihren Songs wortreich und pointiert berappt und besungen. Mit Fivas jahrelangem Weggefährten Sebastian Schwarz aka DJ Radrum an den Turntables wird die Band komplettiert. Das Fazit fällt dabei vorsichtig optimistisch aus: "Das Beste", meint Fiva in der soeben erschienenen ersten Single, "ist noch nicht vorbei". Wort drauf!

Clara Luzia | Jetzt ist sie endlich dort, wo sie so lange hin wollte: Bei lauten Gitarren, Verzerrern und wuchtigen Drums. Den Lagerfeuergitarren, die musikmachenden Frauen gerne umgehängt werden, ist Clara Luzia mit ihrem fünften, 2013 entstandenen Album "We Are Fish" entwachsen, wenn das auch nicht heißen soll, dass nur mehr geklotzt wird. Die ruhigen Momente gibt's nach wie vor - aber eben auch die längst fälligen Ausbrüche.

"With headlights on" - die Geschichte über das Treffen der Wolfsmenschen im Wald, die gemeinsam ihren Verwandlungstanz begehen - schlägt musikalisch eine Brücke zum letzten Album "Falling into place", stellt sich aber beim Titeltrack "We are fish" bereits als Irrweg heraus. Der Kammerfolkpop ist passé, die Verzerrer werden ausgepackt, die fetten Bässe (Max Hauer und pauT) in Stellung gebracht: "We built a new continent that will swallow us all" - harter Tobak, aber angesichts der immer größer werdenden Müllinseln in den Weltmeeren muss mal kräftig auf den Tisch gehauen werden.

Die Themen kreisen auch weiterhin um Existenzielles: Die eigene Endlichkeit ("A Presentiment"), die Interdependenz der Menschen und ihre Folgen ("No one's watching"), die Notwendigkeit des Falls vor dem Wiederaufstieg ("The Fall") und den eigenen Dämonen ("The menace is my head"). Musikalisch werden die Regler aktuell also lauter gedreht, das kleine Drumset gegen ein fettes Set getauscht und der Bass von Neuzugang pauT tut sein Übriges, um "We are Fish" druckvoller als seine Vorgänger klingen zu lassen. Klezmer-Passagen der Streicherinnen Heidi und Roswitha Dokalik finden sich allerdings auch hier wieder ("The Fall"), ebenso wie Max Hauers famoses Klavierspiel, das "We are Fish" mit einem ausgedehnten Solo eröffnet.

Ob lautstark rockend oder melancholisch verträumt - Clara Luzia geht ihren Weg und lässt alles so klingen, wie es klingen soll.


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